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Roboter im Gesundheitsbereich
Sie fragt z. B. danach, ob Therapie- und Pflegeroboter über moralische Fähigkeiten ver-
fĂĽgen sollen, und wenn ja, ĂĽber welche, ob sie nur vorgegebenen Regeln gehorchen
(Pflicht- oder Pflichtenethik) oder die Folgen ihres Handelns (Folgenethik) abschätzen
und ihre Entscheidungen abwägen können sollen, und ob weitere Modelle normati-
ver Ethik infrage kommen, etwa ein materialistischer Ansatz. Speziellere Fragen aus
der Maschinenethik heraus sind, ob sich Operations-, Therapie- und Pflegeroboter unter
bestimmten Voraussetzungen weigern können sollen, eine Maßnahme durchzuführen oder
eine Begleitung anzubieten, ob sie die BedĂĽrfnisse und Parameter der Patienten berĂĽck-
sichtigen und wie sie äußerlich und stimmlich gestaltet sein sollen, um vertrauensvoll
und verlässlich zu wirken und letztlich akzeptiert zu werden. Die bereits angesprochene
Gestaltung kann also auch aus der Maschinenethik heraus betrachtet und betrieben wer-
den, und es kann beispielsweise ein Anliegen sein, allgemeine Akzeptanz herzustellen und
zugleich aus gängigen Stereotypen auszubrechen.
11.6 Zusammenfassung und Ausblick
Es ist in Bezug auf Roboter im Gesundheitsbereich offensichtlich einfach, bereichs-
ethische Fragen zu formulieren, und es finden sich in der Literatur weitere Probleme,
die hier nicht behandelt wurden (Bendel 2015b). Im Einzelfall dĂĽrfte es schwer sein,
sie einer einzigen Bereichsethik klar zuzuordnen. Die Autonomie des Patienten bei-
spielsweise, ein klassischer Gegenstand der Medizinethik, wird in manchen Fällen zur
informationellen Autonomie, was wiederum ein typischer Gegenstand der Informations-
ethik ist. Die sexuelle Selbstbestimmung, die von der Sexualethik betrachtet wird, ist
ebenfalls neu zu diskutieren angesichts der Datensammlung und -auswertung durch
Pflegeroboter. Das Recht auf eine abwechslungsreiche und befriedigende Arbeit, ein
Thema und Anliegen der Wirtschaftsethik, kann auch aus der Perspektive der Infor-
mations- und Technikethik diskutiert werden, denn der Einsatz von Informations- und
Kommunikationstechnologien (IKT) und Anwendungssystemen und speziell von Robo-
tern dient häufig der Prozessoptimierung und Arbeitserleichterung.
Die meisten thematisierten Aspekte der angewandten Ethik dĂĽrften sich Informations-
und Technikethik zuweisen lassen, was nicht weiter verwundert, kann man doch gerade
die Informationsethik, wie bereits angedeutet, im Zentrum der Bereichsethiken verorten.
Wenn IKT und Anwendungssysteme in die medizinischen Bereiche diffundieren, bleibt
dies nicht ohne Auswirkungen auf die Medizinethik und weitere Bereichsethiken. Diese
müssen sich zudem mit der Maschinenethik ins Benehmen setzen, welche die „Mora-
lisierung“ von Operations-, Therapie- und Pflegerobotern in Angriff nimmt, falls mög-
lich und sinnvoll. Nicht angesprochen wurden die Fragen, ob Pflegeroboter bei Patienten
Prioritäten oder Präferenzen haben oder ob sie lebenserhaltende Systeme selbstständig
ausschalten dürfen – einfach, weil sie noch zu weit in die Zukunft weisen und es gerade
hier geboten ist, Science-Fiction und Realität zu unterscheiden, um nicht unnötig Ängste
zu wecken und Abwehr hervorzurufen.
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