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Umsorgen, überwachen, unterhalten …
Tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass insbesondere demenziell erkrankte Men-
schen, welche unter dem fortgeschrittenen Verlust geistiger Leistungsfähigkeit lei-
den, über die Natur der Roboter getäuscht werden. Grundsätzlich kann auch – wie das
Gedankenexperiment Nozicks zeigt – davon ausgegangen werden, dass Menschen ihre
bestehende Realität einer perfekten fiktiven Welt vorziehen würden. Kurzfristig aus der
Alltagsrealität auszusteigen, um sich täuschen zu lassen, kann aber reizvoll sein. Nicht
selten genießen wir mit Virtual-Reality-Brillen oder im 4D-Kino die Abwechslung fik-
tiver Parallelwelten und kehren anschließend wieder in unser gewohntes Leben zurück.
Analog dazu bedeutet auch die Interaktion mit einem Roboter nicht einen permanenten
Ausstieg aus der realen Welt zugunsten einer bevorzugten Scheinexistenz. Unter Berück-
sichtigung der starken Intuition, dass die meisten Menschen nicht in einer fiktiven, wenn
auch perfekten Welt verharren möchten, muss sich auch der Austausch zwischen Mensch
und Maschine auf regulierte und frequentierte Zeitfenster beschränken. Unter dieser
Voraussetzung sind Roboter entgegen der Aussage von Kritikern wie Sparrow/Sparrow
sehr wohl in der Lage, das Interesse der pflegebedürftigen Person aufrechtzuerhalten
und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Pflege vollständig und rund um
die Uhr Service-, Assistenz- und Unterhaltungsrobotern zu überlassen, wie es der Ver-
gleich mit einer permanenten fiktiven Welt suggeriert, ist nicht nur aus pflegeethischer,
sondern derzeit auch aus technischer Sicht nicht umsetzbar. Pflegebedürftige jedoch
kurzfristig einer Interaktion mit einem Roboter zu überlassen, kann gewinnbringend
sein. Lädt der Roboter zu einer anregenden Unterhaltung ein, ist er in der Lage, will-
kommene Abwechslung zu bieten. Auch dann, wenn es sich dabei um eine kurzfristige
Täuschung handelt, vergleichbar mit einer Unterhaltungsform, die die meisten Menschen
tolerieren oder gar begrüßen würden. Dennoch bleibt das Problem verdeckter Adressaten
bei Robotern wie Zora, welche aus dem Nebenzimmer ferngesteuert werden, bestehen.
Es lässt sich nur dann umgehen, wenn die Präsenz der Pflegefachkraft für die Pflege-
bedürftigen klar erkennbar ist. Erst wenn sich die mit dem Roboter interagierende Person
darüber bewusst ist, dass die Pflegefachperson die Aussagen ebenfalls mitbekommt, sind
alle Adressaten ihrer Äußerungen offengelegt. Diese Situation wird beispielsweise dann
erreicht, wenn sich die Pflegefachkraft gemeinsam mit Greta und Zora an den Tisch setzt.
12.7 Argument der unethischen Täuschung
Ihre oftmals humanoide, aber nicht naturalistische Erscheinung macht Roboter zu
Sympathieträgern. Kulleraugen, Stupsnasen und freundliche Stimmen oder Laute
befördern die Akzeptanz gegenüber technischen Apparaturen und ebnen so den Weg für
Interaktionen zwischen Mensch und Maschine. Der Einsatz entzückender Roboter zur
Beförderung von Emotionen wird jedoch auch kritisch diskutiert. Anstatt eine inter-
personale Vertrauensbasis zu schaffen, welche es pflegebedürftigen Menschen erlauben
würde, sich gegenüber Pflegefachkräften zu öffnen, werden emotionsstimulierende
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