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224 J. Kreis 12.8 Argument der verletzten Würde: Gleichsetzung von Mensch und Objekt Während Therapieroboter wie Paro primär Zugang zu in sich gekehrten Menschen erschließen sollen, besteht die Aufgabe von Assistenzsystemen wie Cody und Robear darin, Autonomie und Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen zu befördern oder Pflege- kräfte bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten zu unterstützen. Der am Georgia Institute of Technology entwickelte Roboter Cody ist darauf spezialisiert, bettlägerige Patien- ten zu drehen und zu waschen. Robear, ein 140 kg schwerer, freundlich gestalteter Bär auf Rollen, assistiert Pflegenden beim Aufrichten, Umlagern und Tragen von Patienten (Riken 2015). Um die Gefährdung von Menschen auszuschließen, müssen Assistenz- roboter hohen Sicherheitsansprüchen genügen, bevor sie implementiert werden können. Zwar liegt die Entwicklung technischer Apparaturen, welche Menschen waschen oder umbetten, aufgrund der nötigen Interaktion mit der physischen Welt hinter der Ent- wicklung von Service- und Unterhaltungsrobotern zurück, dennoch setzt sich der ethi- sche Diskurs gegenwärtig mit Assistenzsystemen dieser Art auseinander. Trotz ihrer Funktion, Pflegende vor berufsbedingten Rückenschäden zu bewahren oder die Eigen- ständigkeit der Pflegebedürftigen zu befördern, stehen auch Assistenzroboter in der Kri- tik. Wie anderen Robotertypen wird ihnen vorgeworfen, Isolation und Vereinsamung der Pflegebedürftigen zu begünstigen. Während ein Roboter wie Cody bettlägerige Patienten wäscht, entgeht Pflegefachkräften die Gelegenheit, über die Berührung mit den Pflege- bedürftigen in Kontakt zu treten und zugleich deren physische und psychische Verfassung zu überprüfen. Hebt ein Roboter eine Person aus dem Bett, werden weniger Helfer benötigt, um Patienten umzulagern. Der zwischenmenschliche Kontakt verringert sich. Neben dem Einwand reduzierter Kontaktmöglichkeiten wird weitere Kritik laut. Denn während sich Roboter vielfach auf das physische Wohl einer Person konzentrieren, ist Pflege nicht als rein körperlicher Vorgang zu verstehen. Die deutsche Pflegeexpertin Adelheid von Stösser warnt daher vor der Degradierung des Menschen zum bloßen Sachgegenstand, der objektgleich „gewaschen, gewindelt und angezogen“ werden muss (Von Stösser 2011, S. 4). Aus ethischer Sicht ist die Gleichsetzung von Mensch und Objekt vor allem dahin gehend problematisch, dass Sachgegenständen im Gegensatz zu Menschen keine Würde inhäriert. Werden Menschen wie Objekte behandelt, wird auch ihre Würde geringer geachtet. Mit der Reduktion des Menschen auf dessen rein körper- liche Existenz rücken Gemütszustände in den Hintergrund. Aggressionen, Ängste und Unruhen werden von dem körperfokussierten Roboter außer Acht gelassen. Von Stös- ser befindet es daher als realistisch, dass Menschen mit Demenz medikamentös in ihren Empfindungsfähigkeiten so weit gedämpft würden, dass sie sich problemlos von einem Roboter waschen und versorgen ließen (2011, S. 5). Wie ist dieser Einwand der durch Roboter beförderten Gleichsetzung von Mensch und Objekt ethisch zu beurteilen? Die Gefahr, Menschen in der Pflege Sachgegenständen gleichzusetzen, mag bestehen. Sie ist jedoch nicht gezwungenermaßen an den Einsatz eines Roboters geknüpft. Gebrechliche Menschen sind in vielen Fällen auf die Hilfe
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Pflegeroboter
Title
Pflegeroboter
Author
Oliver Bendel
Publisher
Springer Gabler
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Size
17.3 x 24.6 cm
Pages
278
Category
Technik
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