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Pflegeroboter
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22512 Umsorgen, überwachen, unterhalten … anderer angewiesen. Von welcher Qualität diese Hilfeleistung ist, steht im Zusammen- hang mit dem vorherrschenden Verhältnis zwischen Pflegekraft und pflegebedürftiger Person. Dabei handelt es sich um eine Beziehung, die auch in Verzicht auf den Roboter- einsatz scheitern oder unter Einbezug eines Roboters gelingen kann. Ein sinnvoller Ein- satz von Robotern kann geradezu verhindern statt fördern, dass sich Menschen Objekten gleichgesetzt fühlen. Führt eine auf Pflege angewiesene Person dank dem steuerbaren Roboter die eigene Körperpflege zum gewünschten Zeitpunkt selbstständig durch, erweitert der Einsatz des Systems deren Autonomie erheblich. Dadurch dürfte auch die Gefahr, dass Pflegebedürftige sich als Objekt fühlen, verringert werden. Zudem kann die der Würde inhärente Achtung der Intimsphäre zumindest bei agileren Patienten dank des Roboters gewährleistet und ein gegebenenfalls auftretendes Schamgefühl umgangen werden. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass insbesondere bei Waschungen im Intimbereich Scham verringert werden kann. Auch beim Bewegtwerden und bei Routine- aktivitäten bevorzugen manche Patienten Roboter gegenüber Menschen, um auf diese Weise ihre moralischen, sittlichen und sozialen Werte wie Autonomie, Intimität, Sicher- heit oder Vertrauen zu schützen (Bendel 2015, S. 29). Je mehr Aufgaben Robotern zukommen, desto mehr Eigenständigkeit erlangen sie. Es ist daher einzuräumen, dass ein Autonomiegewinn der Maschine auch einen Auto- nomieverlust auf Seite der Pflegebedürftigen bedeuten kann. Reicht der Roboter einer Person frische Hemden aus dem Schrank, wird Selbstständigkeit erlangt, da keine zusätzliche menschliche Unterstützung angefordert werden muss. Mit dem Ergreifen eines beliebigen Hemds trifft der Roboter jedoch stellvertretend für die physisch ein- geschränkte Person eine Wahl und verhindert so eine autonome Entscheidung des Men- schen. Dennoch verhilft der Roboter dadurch, dass er überhaupt in der Lage ist, Hemden zu reichen, zu erhöhter Eigenständigkeit. Können Menschen selbstzentrierte Aufgaben dank intelligenter künstlicher Systeme selbstständig angehen, erlangen sie Fähigkeiten, welche entgegen der vorgebrachten Kritik verhindern statt begünstigen, dass sich die Betroffenen Sachgegenständen gleichgesetzt fühlen. 12.9 Fazit Nicht alles, was technisch machbar ist, ist ethisch unbedenklich. Ein in Spitälern und Heimen tauglicher Roboter muss daher neben technischen und klinischen Ansprüchen auch hohen ethischen Anforderungen genügen. Bevor Pflegeroboter in Pflegezentren implementiert werden können, gilt es, moralische Fragen aus den Bereichen Daten- schutz, Privatsphäre und Verantwortung zu ermitteln und weitgehend zu beantworten. Auch ethisch relevante Aspekte wie die dargelegten Überlegungen zu Kontaktver- lust, Täuschung und Würde sind zu behandeln, um die ethische Vertretbarkeit von Pflegerobotern zu gewährleisten. Roboter verfügen über großes Potenzial. Um das Leistungsvermögen der Robotik unbedenklich auszuschöpfen, sind jedoch Richtlinien
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Pflegeroboter
Title
Pflegeroboter
Author
Oliver Bendel
Publisher
Springer Gabler
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Size
17.3 x 24.6 cm
Pages
278
Category
Technik
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