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Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen …
Neugierde und Interesse aus. Sprachfähigkeit, menschliche Gesichtszüge und Inter-
aktivität werden auch von älteren Menschen positiv erlebt (Zhang et al. 2010). Auch bei
Robotertieren vermeidet man eine zu groĂźe Ăśbereinstimmung mit dem Original. So hat
man nach einigen Tests mit Demenzkranken anstelle einer Roboterkatze die Robbe Paro
entwickelt. Sie löst Neugierde aus, wirkt durch die großen Augen und das weiche Fell
harmlos und niedlich und weckt eher Assoziationen zu einem PlĂĽschtier als einer realen
Robbe. Der Kontakt mit dem Roboter wirkte sich in einigen Studien positiv auf die Stim-
mung der Heimbewohner mit Demenz aus (z. B. Wada et al. 2009; Birks et al. 2016).
Werden ältere Menschen prospektiv gefragt, ob sie sich im Bedarfsfall den Einsatz
von Robotern zur Unterstützung der Pflege vorstellen können, wird besonders die Wah-
rung der WĂĽrde als ein wichtiger Wert angegeben, besonders dann, wenn die Selbst-
bestimmung eingeschränkt sein würde (Harrefors et al. 2010). Auch den Angehörigen ist
die Wahrung der Würde häufig sehr wichtig. Sie sehen diese verletzt, wenn z. B. ihre
Mutter mit einer Puppe oder einem PlĂĽschtier spielt und nicht mehr unterscheiden kann,
ob sie mit einem Lebewesen oder einem Gegenstand spricht. Gleichzeitig beobachtet
man, dass der Kontakt mit z. B. der Robbe Paro oder dem Roboter Zora in Altenheimen
eine positive und belebende Wirkung zeigt, wenn diese in einer gemeinsamen Aktivi-
tät mit Betreuungspersonen eingesetzt werden. Dieser Widerspruch erfordert eine ethi-
sche Auseinandersetzung mit den Werten „Wohlbefinden“ versus „Würde“ und einer
Entscheidung im Einzelfall, falls die betroffene Person nicht mehr selbst entscheiden,
äußern oder zeigen kann, was ihr wichtig ist.
13.3.2 Professionelle Nutzerinnen und Nutzer
Gesundheitsfachpersonen stehen Robotik meist kritischer gegenĂĽber als nichtprofessio-
nell Nutzende (siehe Abschn. 13.4). Pflegekräfte erhoffen sich vor allem eine Entlastung
bei den folgenden Aktivitäten:
• Zeitaufwendigen Routinearbeiten wie Dokumentation, Materialbestellung und -ver-
teilung, Medikamentenportionierung
• Transport von Material und Personen innerhalb einer Institution
• Körperlich anstrengenden Arbeiten wie Heben und Tragen
• Kognitiv fordernden Arbeiten wie dem Merken und Organisieren vieler verschiedener,
meist ungeplant auftretender Aufgaben
Zudem werden Entlastung in Situationen von Personalknappheit wie Nachtdienst,
Urlaub oder Krankheit von Personal und mehr Autonomie und eine bessere Lebensquali-
tät für Betroffene und Angehörige gewünscht.
Trainingsroboter gehören bereits zur alltäglichen Arbeit von Ergo- und Physio-
therapeuten und -therapeutinnen in der Rehabilitation. Sie werden als ein Mittel akzep-
tiert, repetitive Übungsphasen zu intensivieren. Körperfunktionen wie Hand- und
Armbewegungen, Arm- und Handkraft sowie Aktivitäten des täglichen Lebens werden
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