Page - 238 - in Pflegeroboter
Image of the Page - 238 -
Text of the Page - 238 -
238 H. Becker
verbessert: allerdings war in den Studien die Evidenz eher niedrig bis sehr niedrig ein-
zustufen (Mehrholz et al. 2015). Vor allem der Transfer wiedergewonnener Bewegungs-
möglichkeiten in Alltagsaktivitäten geschieht nicht automatisch, sodass vor allem
Ergotherapeutinnen und -therapeuten die Grenzen des Einsatzes diskutieren. In den
Fokusgruppen berichteten die Therapeutinnen und Therapeuten ferner, dass die funk-
tionalen Möglichkeiten der Roboter noch begrenzt seien und nicht alle notwendigen
Bewegungen abdecken, ferner sei die Handhabung zum Teil noch sehr aufwendig und
wenig benutzerfreundlich. Auch in den Befragungen von Swinnen et al. (2017) sehen
die Therapeutinnen und Therapeuten noch Raum für Verbesserung von Nützlichkeit und
Usability des roboterunterstützten Gangtrainings.
Telepräsenzroboter werden besonders in den USA von Fachärzten genutzt und
sind dort etabliert. Man erwartet vor allem eine Kompensation des Facharztmangels in
unterversorgten Gebieten. Aber auch für den direkten fachlichen Austausch ist Teleprä-
senzrobotik akzeptiert. Durch Telemedizin könnte die Effizienz der häuslichen Pflege
verbessert werden. Der Einsatz wird von Pflegekräften grundsätzlich positiv gesehen, vor
allem im ländlichen Raum. Man kann davon ausgehen, dass dies auch auf Telepräsenzro-
botik zutrifft. Allerdings wurde der fehlende persönliche Kontakt als Nachteil angesehen.
Es besteht das Risiko, dass die Situation nicht vollständig erfasst werden kann, Informa-
tionen fehlen und vertrauliche Gespräche nicht stattfinden (Hielscher et al. 2015). Damit
die Qualität der Pflege erhalten bleibt, wird deshalb eine Kombination von Präsenz und
Telepräsenz bevorzugt (Harrefors et al. 2010).
Von Assistenzgeräten werden vor allem Nützlichkeit, Zuverlässigkeit, Sicher-
heit und Entlastung z. B. durch Zeit- oder Kraftersparnis erwartet. Erfüllen sie diese
Erwartungen, steigt die Zufriedenheit z. B. für Medikamentenroboter (Summerfield
et al. 2011). Insgesamt ist die Haltung Assistenzgeräten gegenüber positiv (Tiwari 2010),
solange die Geräte nicht zu autonom agieren und keine fürsorglichen Aktivitäten über-
nehmen (Goransson et al. 2008).
Sozial-interaktive Roboter wie die Robbe Paro werden inzwischen auch in deut-
schen oder Schweizer Heimen eher positiv gesehen. Die ethische Diskussion um Fra-
gen der Würde sind jedoch weiterhin aktuell. Erwartet wird vom Einsatz der Geräte mit
dem Caretaker-Paradigma, dass sie Bewohner zufriedener machen, das Wohlbefinden
fördern, soziale Interaktion und Kommunikation anregen und damit auch die Belastung
der Pflegenden reduzieren und die Burnout-Rate senken (z. B. Liang et al. 2017; Wada
et al. 2009). In den Niederlanden und Belgien wird der Roboter Zora in Altenheimen ein-
gesetzt; er entspricht dem Begleiter-Paradigma. Der menschenähnliche Roboter dient
der Animation und Aktivierung in Gruppen, unterstützt Tätigkeiten wie das Zeitung-
lesen, begleitet oder sucht Personen und reagiert bei Stürzen (Kort und Hulsman 2017;
Furniere 2018).
back to the
book Pflegeroboter"