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Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen …
Trotz Fachkräftemangel äußern befragte Gesundheitspersonen die Sorge um Ersetz-
barkeit und Angst vor Arbeitsplatzverlust. So fĂĽrchteten z. B. Physiotherapeutinnen und
-therapeuten in unseren Befragungen, dass durch Trainingsroboter oder Massageroboter
Stellen abgebaut werden. Dass dies nicht zwingend geschehen muss, zeigt die Berufs-
entwicklung der Apothekerinnen und Apotheker in den USA. FĂĽr die direkte Versorgung
der Patientinnen und Patienten mit Medikamenten im Spital werden sie kaum mehr
benötigt, da Roboter ihre Arbeit besser und preiswerter ausführen können. Dies hat aber
nicht zu einem gravierenden Stellenabbau gefĂĽhrt. Vielmehr war die Balance zwischen
Berufsangehörigen und Nachfrage 2015 weiterhin ausgeglichen, obwohl mehr Apo-
thekerinnen und Apotheker ausgebildet wurden. Jedoch hat sich das Berufsbild verändert
und Apothekerinnen und Apotheker nehmen andere Aufgaben wahr, z. B. umfassendes
Medikamenten-Therapie-Management oder Impfungen (Sederstrom 2015). Damit tragen
sie zur Entlastung der Ärztinnen und Ärzte bei.
13.5 Zwischenfazit: Was allen Nutzergruppen wichtig ist
Zusammenfassend kann man sagen, dass an Robotik in der Gesundheitsversorgung ver-
schiedene Erwartungen gerichtet werden. Roboter sollen vor allem die Versorgung unter-
stĂĽtzen, Pflegepersonal entlasten sowie Personen mit Pflegebedarf mehr Autonomie und
Unabhängigkeit geben. Allen Nutzergruppen ist es besonders wichtig, dass Robotik
zwischenmenschliche Kontakte nicht reduziert, sondern fördert.
Als Voraussetzung fĂĽr eine Anwendung werden Wahrung von ethischen Werten,
Sicherheit und Zuverlässigkeit der Geräte, Wirksamkeitsnachweise, klare Finanzierungs-
regeln und Zugangsgerechtigkeit gefordert. Ferner ist professionellen Nutzenden wich-
tig, dass die langfristigen Folgen fĂĽr Individuen, Familien, Berufsgruppen und die
Gesellschaft untersucht werden und unabhängige ethische Kontrolle und Beratung den
Einsatz von Robotern begleiten.
13.6 Akzeptanzfaktoren
13.6.1 Definition von Technikakzeptanz
Technikakzeptanz wird unterschiedlich definiert. Wesentlich ist in der Literatur die
Unterscheidung von zwei Dimensionen: der Einstellungs- und der Handlungsdimension.
Die Einstellungsdimension umfasst die affektive und kognitive Haltung gegenĂĽber einer
Technologie. Akzeptanz bedeutet in einem rein einstellungsbezogenen Verständnis eine
positive Haltung und Einschätzung der neuen Technologie und kann auch eine Hand-
lungsintention oder Bereitschaft, die Technologie zu nutzen, umfassen. Sie beinhaltet
aber nicht das tatsächliche Handeln. Die handlungsorientierte Auffassung schließt auch
das tatsächlich beobachtbare Verhalten der Anwendung einer Technologie ein (siehe
ausführlich dazu Schäfer und Keppler 2013).
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