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Sollten Pflegeroboter auch sexuelle Assistenzfunktionen bieten?
Lernbehinderungen, fallen immer wieder durch sexuell unangemessenes und grenz-
verletzendes Verhalten gegenüber Mitbewohner_innen und Pflegenden auf, sodass
hier Präventionsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen (Lindsay 2002; Wilson und
Burns 2011).
Im Hinblick auf das Freiheitsrecht der selbstbestimmten Familienplanung ist zu
beachten, dass Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung nicht selten
einen Kinderwunsch haben. Dieser kann z. B. im Zuge begleiteter Elternschaft erfüllt
werden (Tilley et al. 2012; BMFSFJ 2013).
14.3.2 Freiheit zu sexuellem Selbstausdruck
Hinsichtlich der Freiheit zu sexuellem Selbstausdruck und sexuellem Wohlbefinden
bestehen bei Menschen mit Pflegebedarf große Forschungslücken (McCabe und
Taleporos 2003; Tepper 2000; Shakespeare 2000). Einige der wenigen Fachbeiträge,
die sich der Frage widmen, wie Menschen mit Pflege- und Assistenzbedarf erwünschte
sexuelle Aktivitäten erleben können und welche Rahmenbedingungen sie dafür
benötigen, seien im Folgenden herausgegriffen.
Der Ratgeber „Supporting Disabled People with their Sexual Lifes“ von Tuppy
Owens (2015) basiert auf der rund 40-jährigen Erfahrung der Autorin mit der Organi-
sation von „Outsiders“, einer britischen Kontaktbörse für Menschen mit Behinderung.
Ihrer Beobachtung nach haben Menschen mit Behinderung vor allem vier zentrale
Anliegen bezüglich ihres Sexuallebens:
1. Sie möchten sich sexuell frei fühlen.
2. Sie wünschen sich sexuelle Aufklärung.
3. Sie erwarten Unterstützung im Falle von sexuellen Negativerfahrungen und Krisen.
4. Sie möchten sexuelle Aktivitäten genießen.
In der Fachliteratur wird erörtert, dass Angehörige und Pflegende Menschen mit Beein-
trächtigungen oft vor Enttäuschungen in der Liebe und Sexualität bewahren möch-
ten (Foley 2018), dass zu viel Schutz aber eben Entfaltungsmöglichkeiten beschneide
und es auch ein „Recht auf Liebeskummer“ gebe (Sandfort 2010). Zum Genuss solo-
und partnersexueller Aktivitäten sind laut Owens (2015) aus Sicht von Menschen mit
Behinderung vor allem folgende sieben Punkte ausschlaggebend:
1. Nutzung von Pornografie
2. Nutzung von Sexspielzeug
3. Umarmungen
4. Zusammen in einem Bett schlafen
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