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260 N. Döring
14.5 Sexuelle Assistenz durch Roboter und andere
Assistenzgeräte
Will man für die sexuellen Anliegen von Menschen mit Pflegebedarf auch technische
Lösungen in Erwägung ziehen, so sind drei Ansätze zu diskutieren, und zwar die Nut-
zung von Sexrobotern und Sexpuppen, der Einsatz von Pflegerobotern mit sexuellen
Assistenzfunktionen sowie der Gebrauch von spezialisierten sexuellen Assistenzgeräten.
14.5.1 Sexroboter und Sexpuppen
Stellt man die heute einschlägigen Pflegeroboter (z. B. Care-O-bot oder Twendy-One)
den heute verfügbaren Sexrobotern (z. B. Roxxxy oder Rocky von TrueCompanion.com;
Samantha von SyntheaAmatus.com) gegenüber, so fallen deutliche Unterschiede auf.
Während die Pflegeroboter meist ein technisch-funktionales Aussehen haben, um Auf-
gaben im Haushalt und in der Pflege zu bewältigen, sind die Sexroboter so menschen-
ähnlich wie möglich gestaltet – einschließlich funktionaler Genitalien. Dementsprechend
könnte man von einer strikten Aufgabenteilung der Roboter ausgehen. Ebenso wie Men-
schen ohne Pflegebedarf könnten Menschen mit Pflegebedarf neben ihrem Pflegeroboter
potenziell auch einen Sexroboter nutzen, sofern sie ihn denn finanzieren können. Sex-
roboter könnten zur Förderung des sexuellen Wohlbefindens eingesetzt werden, ins-
besondere, wenn aufgrund von körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen das
Anknüpfen sexueller Beziehungen zu anderen Menschen erschwert und möglicherweise
auch Solosexualität nicht eigenhändig möglich ist.
Um die Interaktivität und künstliche Intelligenz zukünftiger Sexroboter optimal zu
nutzen, wären Modelle zu entwickeln, die sich auf bestimmte körperliche oder geistige
Beeinträchtigungen spezialisieren und durchaus auch Trainingsprogramme beinhalten.
Denkbar wären Sexroboter, mit denen bei sexuellen Funktionsstörungen angst- und
schamfrei geübt werden kann, ebenso wie Sexroboter, mit denen bei sexueller Trauma-
tisierung ein sicherer und kontrollierter Kontakt erlebt werden kann. Ein Ausschöpfen
dieser Potenziale würde es erfordern, dass sich Roboter-, Sexual-, Alterns- und Pflege-
forschung interdisziplinär zusammenschließen und unter Einbeziehung der Zielgruppen
Konzepte der robotischen Assistenz für sexuelles Wohlbefinden und sexuelle Gesund-
heit entwickeln und evaluieren (Döring 2017b). Angesichts der hohen Kosten von Sex-
robotern ist individueller Besitz bis auf Weiteres für Menschen mit Pflegebedarf meist
keine Option. Denkbar sind Dienstleistungsangebote, die Sexroboter stundenweise ver-
mieten und dabei durch spezialisierte Roboter und zielgruppengerechte Beratung auch
Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigungen ansprechen.
Für bestimmte Zielgruppen, die ungedeckten Bedarf nach Nähe, Körperkontakt und
Sexualität haben, mag anstelle eines technisch anspruchsvollen und kostenintensiven Sex-
roboters schon eine Sex- bzw. Liebespuppe ausreichen. So berichten Puppenbesitzer in
öffentlichen Online-Foren über den therapeutischen Nutzen der Puppen, die Einsamkeit
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