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Sollten Pflegeroboter auch sexuelle Assistenzfunktionen bieten?
Nutzenden und ihren Angehörigen bzw. gesetzlichen Betreuer_innen sowie den Pflege-
kräften, Pflegeeinrichtungen und deren Trägern entwickelt werden. Wichtig ist es dabei
im Sinne sexueller Freiheitsrechte, die Vielfalt der sexuellen Anliegen von Menschen
mit Pflegebedarf zu berücksichtigen und nicht vorschnell sexualmoralisch zu begrenzen.
Besonderes Augenmerk ist darauf zu legen, dass die sexuellen Anliegen von Frauen erst-
mals umfassend erkundet werden und dann auch Berücksichtigung finden (Döring 2017b).
Denn geschlechtsrollen- und generationsbedingt sind die heutigen Frauen mit Pflegebedarf
oft noch äußerst zurückhaltend darin, sexuelle Bedürfnisse zu artikulieren, und oft werden
sie ihnen gesellschaftlich auch gar nicht zugestanden (Barrett und Hinchcliff 2018).
Neben Unterstützung bei der Ausübung sexueller Freiheitsrechte gilt es natürlich, die
sexuellen Schutzrechte zu wahren. So muss robotische Sexualassistenz sicher sein. Das
betrifft den Schutz sensibler Daten über sexuelle Präferenzen und Gewohnheiten, die bei
der Nutzung robotischer Sexualassistenz anfallen, aber auch die Verhinderung von Ver-
letzungen und Unfällen beim Technikgebrauch.
Nicht zuletzt erfordert sexuelle Teilhabe für Menschen mit Pflegebedarf angesichts
zunehmender Technisierung, Medikalisierung und Kommerzialisierung des Sexuellen
(Döring 2017a) entsprechende finanzielle Mittel, die im Sozialgesetzbuch nicht vor-
gesehen sind (Zinsmeister 2017). Die Tendenz geht auch eher dahin, die Kostenüber-
nahme für Maßnahmen, die allein der Steigerung der Lebensqualität einschließlich
sexuellen Wohlbefindens dienen, weiter abzubauen (so werden z. B. Kosten für Medika-
mente zur Behandlung erektiler Dysfunktion von den gesetzlichen und privaten Kassen
inzwischen nicht mehr übernommen). Von der wachsenden Anerkennung von Sexualität
als Gesundheitsfaktor und Menschenrecht können Menschen mit Pflegebedarf aber nur
dann profitieren, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen auch finanzierbar sind.
Abschließend ist nicht zu vergessen, neben (roboter-)technischen Lösungen weiter-
hin an nichttechnischen Lösungen für verbessertes sexuelles Wohlbefinden zu arbeiten,
etwa durch ausreichende Sexualberatung und vermehrte zwischenmenschliche Kontakt-
möglichkeiten.
Literatur
Alptraum, L. (2015). How to design sex toys for people with disabilities. Motherboard. https://
motherboard.vice.com/en_us/article/9a3987/how-to-design-sex-toys-for-people-with-disabili-
ties. Zugegriffen: 1. März 2018.
Barrett, C., & Hinchcliff, S. (2018). Addressing the sexual rights of older people: Theory, policy and
practice. London: Routledge.
Beckmann, N., Waern, M., Gustafson, D., & Skoog, I. (2008). Secular trends in self-reported
sexual activity and satisfaction in Swedish 70 year olds: Cross sectional survey of four populati-
ons, 1971–2001. BMJ, 337, a279.
Bendel, O. (2015). Surgical, Therapeutic, Nursing and Sex Robots in Machine and Information
Ethics. In S. P. van Rysewyk & M. Pontier (Hrsg.), Machine medical ethics. Series: Intelligent
systems, control and automation: Science and engineering (S. 17–32). Berlin: Springer.
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