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III.
ORDNUNGSSTRATEGIEN214
liefern habe, zu schicken und seine Anstrengungen fortzusetzen, ihm den
Rest sobald wie möglich zukommen zu lassen. „Ich zweifle nicht daran“, so
der Prinz, „dass Sie sich bemühen werden, mir die umfassendste Porträts-
ammlung, die möglich sein wird, zu überreichen.“699
Auch Nicolas Fouquet (1615–1680), Superintendant und Finanzminister
unter Ludwig XIV., Mäzen und Kunstsammler, wird in der älteren wie in
der jüngeren Literatur zur Bibliothek und Kupferstichsammlung des Prin-
zen Eugen immer wieder mit dessen Porträtsammlung in Verbindung ge-
bracht. Neben der antiken Bronzefigur eines betenden Knaben, die der Prinz
1717 durch Vermittlung von Jean Mariette um 18.000 Francs von Fouquets
Nachkommen, dem Marquise de Belle-Isle erwarb, soll er auch eine Port-
rätsammlung aus dessen Besitz erworben haben, die den Grundstock der
späteren Eugenianischen Sammlung bildete.700
Diese Annahme ist zumindest fragwürdig und konnte bis heute nicht
nachgewiesen oder durch Quellen belegt werden. Sie bezieht sich ausschließ-
lich auf einen Brief der englischen Schriftstellerin Lady Mary Wortley Mon-
tagu an den Abbè Conti vom Januar 1717, in dem diese berichtet, der Prinz
Eugen habe sie auf der Durchreise durch Wien durch seine Bibliothek ge-
führt und ihr dort „mit besonderem Vergnügen“ die berühmte Sammlung
von Porträts gezeigt, die ehemals Fouquet besaß und die er um einen über-
aus hohen Preis erworben habe.701 Der Brief wurde allerdings bereits 1965
von Robert Halsband als Fälschung identifiziert.702
Eine weit stichhaltigere Erklärung zum rasanten Anwachsen der Samm-
lung findet sich im Ankauf einer bestehenden Privatsammlung von erhebli-
699 „Comme il y a deja quelque mois que je ne recois plus de vos nouvelles et que je ne sais pas
non plus quand vous m’envoyerè une partie de ce que vous avè encore à me fournir en por-
traits et estempes, j’ai cru de devoir vous en faire ressouvenir afin que vous ne laisserè pas
passer la bonne saison dans la quelle nous sommes pour m’envoyer ce que vous avè de piet et
que vous continuiè vos soins pour me faire avoir le reste le plûtôt que vous pouvè, ne doutant
pas que vous ne tacheré à me tendre la collection des portraits la plus completee qu’il sera
possible.“ ÖStA, HHStA, Diplomatie und Außenpolitik vor 1848, GK 98b-11, fol. 78r.
700 Vgl. z.B. Braubach (1965), S. 92; Mazal (1986), S. 25; Benedik (2010), S. 159.
701 „The prince, who is a connoisseur in the fine arts, shewed me, with particular pleasure,
the famous collection of portraits that formerly belonged to Fouquet, and which he
purchased at an excessive price.“ Zitiert nach: Montagu (1767), S. 21.
702 Vgl. Halsband (1965), S. 293. Obgleich der Quellenbestand zu Fouquet und seinen Besit-
zungen sehr lückenhaft ist und nur wenige private Briefe oder Rechnungsbücher seiner
Anwesen überliefert sind, gibt es für eine graphische Porträtsammlung aus dem Besitz
Fouquets nach heutigem Forschungsstand keinerlei Hinweise. Die Kupferstichsammlung
Fouquets dürfte zu einem überwiegenden Teil aus topographischen Ansichten bestanden
haben (vgl. Bonnaffée, 1882, S. 19 und Chatelain, 1905, S. 452). Auch Christine Howald
(2011) hat in den von ihr konsultierten Quellen keine Hinweise zu einer Porträtsamm-
lung Fouquets gefunden. Für diese Auskunft danke ich Frau Dr. Howald herzlich.
Porträtgalerien auf Papier
Sammeln und Ordnen von druckgrafischen Porträts am Beispiel Kaiser Franz‘ I. von Österreich und anderer fürstlicher Sammler
- Title
- Porträtgalerien auf Papier
- Subtitle
- Sammeln und Ordnen von druckgrafischen Porträts am Beispiel Kaiser Franz‘ I. von Österreich und anderer fürstlicher Sammler
- Author
- Patrick Poch
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20855-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 326
- Keywords
- Arts, Art Collector, 18th Century, Citizens, Antique Portraits, Kunstsammler, 18. Jahrhundert, Bürger, Antike Porträts, HBJD, European History
- Category
- Kunst und Kultur