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Walter
Scholger132
der beiden Vertragspartner zu erzielen. Leistungen des Verlags müssen adä-
quat abgegolten werden, das wirtschaftliche Interesse des Verlags an der
Verwertung der ihm anvertrauten Beiträge ist legitim.
Dennoch gilt, wie bei jedem Vertragsabschluss: Autorinnen und Auto-
ren müssen sich dessen bewusst werden, welche Rechte sie mit ihrer Unter-
schrift abtreten. Ist der gänzliche Verzicht auf die Nachnutzung des eigenen
geistigen Eigentums angemessen oder lohnt es sich, konkrete Ausnahmen
zu definieren? Nachverhandlungen von Verlagsverträgen sind möglich, aber
schwierig. Gerade Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtun-
gen verfügen jedoch über die Möglichkeit, als Vertretung einer Vielzahl von
Autorinnen und Autoren bessere Konditionen zu verhandeln und die Exklu-
sivität der Rechteübertragung an den Verlag zu hinterfragen.
Unter anderem gilt es zu bedenken, dass die meisten nationalen und
internationalen Fördergeber (FWF, FGG, EU-Förderprogramme) verpflich-
tend den freien Zugang zu den Ergebnissen der von ihnen geförderten For-
schung vorsehen und Publikationen aus solchen Förderprojekten Open Ac-
cess zugänglich gemacht werden müssen. Ein restriktiver Verlagsvertrag,
der das exklusive Werknutzungsrecht beinhaltet, steht im Widerspruch zu
diesen Fördervorgaben und ist somit in den meisten Drittmittel-Förderkon-
texten nicht möglich.
Im deutschen Urheberrechtsgesetz wird zwischen dem einfachen Nut-
zungsrecht (entspricht der Werknutzungsbewilligung) und dem ausschließlichen
Nutzungsrecht (entspricht dem Werknutzungsrecht) unterschieden (dUrhG
§
31).
1.5 Zweitveröffentlichungsrecht
Ungeachtet selbst des restriktivsten Verlagsvertrages definiert das österrei-
chische Urheberrecht, wenn auch unter einer Reihe von Einschränkungen,
ein Zweitverwertungsrecht von Urheberinnen und Urhebern wissenschaft-
licher Beiträge:
»Der Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der von diesem als Ange-
hörigem des wissenschaftlichen Personals einer mindestens zur Hälfte mit
öffentlichen Mitteln finanzierten Forschungseinrichtung geschaffen wurde
und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Samm-
lung erschienen ist, hat auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber
ein Werknutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Title
- Publikationsberatung an Universitäten
- Subtitle
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Authors
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Category
- Medien