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Lisa Schilhan, Karin
Lackner176
Rückschlüsse auf die Qualität der Zeitschrift zu, auch wenn die fallweise statt-
liche Anzahl der genannten Plattformen auf den ersten Blick beeindrucken mag.
Berücksichtigt werden muss darüber hinaus, dass die Indexierung in einer
Datenbank wie Web of Science, Scopus oder DOAJ auf Antrag und nach Begut-
achtung erfolgt. Eine Zeitschrift, die nicht indexiert ist, ist daher nicht unbe-
dingt an den Qualitätskriterien gescheitert, sondern wurde möglicherweise nur
(noch) nicht zur Evaluierung eingereicht oder befindet sich gerade im Begutach-
tungsprozess, der mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Da ein wichtiges
Kriterium derartiger Datenbanken bei der Evaluierung von Zeitschriften auch
das zuverlässige, regelmäßige Erscheinen ist, was erst nach einer gewissen Er-
scheinungsdauer beurteilt werden kann, sind insbesondere neu gegründete
Zeitschriften mit erst wenigen erschienenen Ausgaben noch nicht indexiert,
können aber dennoch hohe Qualitätsstandards aufweisen. Eine fehlende In-
dexierung in einer derartigen qualitätsgesicherten Datenbank sagt daher nicht
zwangsläufig etwas über die Qualität einer Zeitschrift aus, wenn davon abgese-
hen keine weiteren Evaluationsergebnisse gegen das Journal sprechen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass stets mehrere Kriterien zur
Evaluation einer verdächtigen Zeitschrift herangezogen werden sollten. Erst
die Zusammenschau möglichst vieler Merkmale einer Zeitschrift ermöglicht
eine fundierte Einschätzung desselben als seriös oder predatory, als qualitativ
hoch- oder minderwertig
– mit allen denkbaren Übergangsstufen dazwischen.
Mängel weisen nicht zwangsläufig auf ein Predatory Journal hin, sondern kön-
nen beispielsweise an dem weniger hohen Qualitätsanspruch der Zeitschrift
oder noch unerfahrenen Herausgeberinnen und Herausgebern liegen. Die
Grauzone zwischen seriösen, aber dennoch Mängel aufweisenden Zeitschrif-
ten und tatsächlichen Predatory Journals ist groß. An dieser Stelle sei nochmals
auf die Plattform Think.Check.Submit sowie auf die sehr umfangreiche Krite-
rienliste zum Erkennen von Predatory Journals von Cabells35 hingewiesen.
2.3 Weitere unseriöse Publikationsangebote
Das »pay-and-get-published«-Prinzip kam nicht erst im Zusammenhang mit
der Publikation von Zeitschriftenartikeln auf. Bereits seit der ersten Hälfte
35 https://blog.cabells.com/2019/03/20/blacklist-criteria-v1-1/, zuletzt geprüft am 13.01.2020.
Die Blacklist von Cabells selbst, die derzeit (Stand: 13.01.2020) knapp 13.000 Predatory
Journals enthält, ist lizenzpflichtig, die Kriterienliste ist jedoch frei zugänglich.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Title
- Publikationsberatung an Universitäten
- Subtitle
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Authors
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Category
- Medien