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Ulrike
Kändler198
Kontext hinaus einzunehmen und einen systematischen Blick auf die mittel-
und langfristigen Auswirkungen der eigenen Finanzierungsentscheidungen
zu werfen. Das war so bisher nicht erforderlich, und es fällt den meisten Ein-
richtungen naturgemäß nicht ganz leicht – insbesondere, wenn die Mittel
knapp sind, Kosten eher steigen als sinken und der Nutzen nicht unmittel-
bar greifbar wird. Das APC-Modell entfaltet auch lokal eine fatale Logik:
Die Zahlungen nach dem Verursacher-Prinzip stellen eine unmittelbare und
gerechtfertigte Leistung für die eigenen Wissenschaftlerinnen und Wis-
senschaftler dar. Freiwilligen Zahlungen für alternative Modelle fehlt diese
Rechtfertigung, selbst wenn sie sich langfristig günstiger für den eigenen
Auftrag auswirken würden.
Es gehört daher ebenso zu den Herausforderungen der Open-Access-Fi-
nanzierung, dass Bibliotheken sich die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten
bewusst machen und aktiv nutzen.30 Ein grundlegender Schritt ist die Wei-
terentwicklung des eigenen Erwerbungsprofils zu einem Finanzierungs-
profil, das eine integrierte Betrachtung von Erwerb/Lizenzierung und Open
Access ermöglicht. Das umfasst, wie von OA202031 gefordert, eine Neu-
strukturierung von Etats und vor allem die Entwicklung von Grundsätzen
und Leitlinien, an denen das eigene finanzielle Engagement ausgerichtet
wird.
An die Seite eingespielter bibliothekarischer Erwerbungskriterien wie
fachliche Einschlägigkeit, Nachfrage und Nutzungszahlen müssen Krite-
rien zur Bewertung von Open-Access-Modellen und -Angeboten treten. Ist
ein APC-freies Angebot zwangsläufig besser als ein Angebot mit modera-
ten oder freiwilligen APC-Zahlungen? Nein, denn ein Geschäftsmodell, wie
sie oben vorgestellt wurden, beschreibt zunächst einmal nur, wie das Geld
fließt. Das ist ein ausgesprochen wichtiger und dennoch nur ein Qualitäts-
aspekt unter mehreren.
Sinnvolle Standards ergeben sich bereits aus dem Grundverständnis
von Open Access:32 Es fasst öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse als
30 Vgl. auch Henriette Rösch, »Open Access als Zumutung für die Erwerbung? b.i.t. online 22,
Nr. 3 (2019), zuletzt geprüft am 28.01.2020, https://www.b-i-t-online.de/heft/2019-03-
fachbeitrag-roesch.pdf
31 https://oa2020-de.org/
32 Vgl. z. B. den Text der Budapest Open Access Initiative (2002), https://www.budapestopen
accessinitiative.org/read
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Title
- Publikationsberatung an Universitäten
- Subtitle
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Authors
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Category
- Medien