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Astrid Höller, Christian
Kaier222
• Die Zurechnung von Publikationen zu Personen ist aufgrund von Na-
mensgleichheiten, Namensänderungen und unterschiedlichen Schreib-
weisen fehleranfällig.13 Ähnliche Probleme ergeben sich bei der Zurech-
nung von Publikationen zu Institutionen.
• Die Datenbasis bibliometrischer Untersuchungen ist a priori nie voll-
ständig. Berücksichtigt werden zudem vor allem englischsprachige Bei-
träge in Zeitschriften, die bestimmte Kriterien erfüllen. Datenbanken
weisen somit in mehrfacher Hinsicht einen Bias auf, zahlreiche Publika-
tionen werden ausgeschlossen. Weiters sind Buchpublikationen ungenü-
gend erfasst, ganze Wissenschaftsbereiche werden daher unangemessen
bewertet.
• Der Begriff Autorenschaft ist nicht überall eindeutig definiert und wird
mitunter strategisch zuerkannt.14
• Fachspezifische Unterschiede werden oft ungenügend berücksichtigt.
• Interdisziplinäre Forschung kann mit bibliometrischen Kennzahlen nicht
adäquat abgebildet werden.
• Zitierungen sagen wenig darüber aus, ob der Beitrag tatsächlich gelesen
wurde oder Zustimmung findet. Auch ein beispielsweise aufgrund sei-
ner fragwürdigen Methodik oder falschen Schlussfolgerungen vielfach
kritisiertes Paper kann auf diese Weise Zitierungen erhalten.
• Bibliometrie fördert eine Fixierung auf scheinbar objektive Zahlen und
betriebswirtschaftliche Maßstäbe.
• Bibliometrische Indikatoren werden weiters als invalide und wenig ob-
jektiv kritisiert, können falsche Anreize schaffen und damit zu ethisch
bedenklichen Forschungs- und Publikationspraktiken beitragen (»salami
slicing«, strategische Orientierung an »gut verkäuflichen« Forschungs-
themen, strategische Zitierpraktiken, falsche Affiliationen, Zitiervorga-
ben von Zeitschriften zur Erhöhung des Impact Factor).15
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Konzepte entwickelt, die diese Män-
gel zumindest zum Teil beheben sollen – von der Kombination unterschied-
13 Persistente Identifikatoren auf Personenebene wie ORCID wirken diesem Problem ent-
gegen, werden aber oft nicht in vollem Umfang genutzt.
14 Vgl. Christian Hauschke, »Problematische Aspekte bibliometrie-basierter Forschungs-
evaluierung«, Informationspraxis 5, Nr. 1 (2019): 7, doi:10.11588/ip.2019.1.49609
15 Siehe z. B. Gingras, Bibliometrics and Research Evaluation.
Publikationsberatung an Universitäten
Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Title
- Publikationsberatung an Universitäten
- Subtitle
- Ein Praxisleitfaden zum Aufbau publikationsunterstützender Services
- Authors
- Karin Lackner
- Lisa Schilhan
- Christian Kaier
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5072-7
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Wissenschaftliches Publizieren, Publikationsberatung, Bibliothek, Informationswissenschaft, Bibliothekswissenschaft, Universität, Verwaltung, Wissenschaft, Bildung
- Category
- Medien