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Rausch der Verwandlung
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Page - 167 - in Rausch der Verwandlung

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Pusten und Stöhnen: die Maschinen werden verschoben, die angeheizten Kessel geprobt. Sonst ist es still. »Denk nicht immer dran«, sagt er zu ihr, »es ist nichts geschehen, das nächstemal will ich sorgen, daß uns nicht mehr so etwas passiert. Ich spüre, du trägst es mir nach, ohne daß du es willst, und es ist doch nicht meine Schuld.« »Ja«, sagt sie vor sich hin, »ich weiß ja, ich weiß … Du hast keine Schuld. Aber wer hat die Schuld? Warum fällt es immer auf uns. Man hat doch nichts getan, niemand hat man etwas getan, und wo man nur einen Schritt tut, springt es einen an. Nie habe ich viel verlangt in meinem Leben, einmal bin ich auf Urlaub gefahren, einmal habe ich es gut haben wollen wie die andern, heiter und leicht, acht Tage, vierzehn Tage, und da war das mit der Mutter … Und einmal habe … « Sie spricht nicht weiter. Er versucht sie zu beruhigen. »Aber Kind, was ist denn geschehen, so denk doch vernünftig … man hat irgend jemanden gesucht, und da haben sie halt die Personalien aufgenommen, es war doch ein Zufall.« »Ich weiß, ich weiß. Nur ein Zufall. Aber was da geschehen ist … das verstehst du nicht, – nein, Ferdinand, das verstehst du nicht, dazu muß man eine Frau sein. Du weißt nicht, wie das ist, als junges Mädel, als Kind schon, noch ehe man etwas versteht, da träumt es in einem schon, wie das wäre, wenn man einmal mit einem Mann, den man liebt, beisammen ist … Alle träumen davon … und man weiß nicht, wie es ist und wie es sein wird, man kann sich nichts vorstellen, auch wenn die Freundinnen noch so viel erzählt haben. Aber jedes Mädel, jede Frau, jede denkt sich das festlich aus … als etwas Schönes… als das Schönste in ihrem Leben … Irgendwie, ich kann es dir nicht genau sagen, als das, ja als das, wofür man eigentlich lebt … als das, das einen wegträgt über alles Sinnlose… Jahrelang, jahrelang träumt man davon und malt sich’s aus … nein, man malt sich’s gar nicht aus, man will es nicht ausdenken und kann es auch nicht, nur träumen tut man davon und wie von etwas Schönem, so ganz, ganz undeutlich, so wie man … und dann … dann wird’s so … so gräßlich, so grauenhaft, so fürchterlich… Nein, das kann man nicht verstehen, wenn einem das zerstört wird, denn das, das kann uns niemand mehr ersetzen, wenn es einmal verdorben, einmal beschmutzt ist … « Er streichelt ihre Hand, aber sie starrt, ohne auf ihn zu achten, auf die schmutzige Diele. »Und zu denken, daß das nur an dem Gelde liegt, an dem dreckigen, gemeinen, an diesem niederträchtigen niedrigen Geld. Mit ein bißchen Geld, zwei Banknoten, drei Banknoten, wäre man selig gewesen und wäre 167
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Rausch der Verwandlung
Title
Rausch der Verwandlung
Author
Stefan Zweig
Date
1982
Language
German
License
PD
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
204
Categories
Weiteres Belletristik
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