Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Weiteres
Belletristik
Rausch der Verwandlung
Page - 187 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 187 - in Rausch der Verwandlung

Image of the Page - 187 -

Image of the Page - 187 - in Rausch der Verwandlung

Text of the Page - 187 -

kann russisch, ausgezeichnet, auch englisch ein bißchen, und das andere lernt man.« »Ja, aber … Sie werden einem doch nachforschen, glaubst du nicht, daß sie einen finden würden?« »Das weiß ich nicht, das kann niemand wissen. Vielleicht, wahrscheinlich sogar, vielleicht auch nicht. Ich glaube, es liegt mehr an einem selbst, ob man durchhalten kann, ob man klug genug ist, vorsichtig genug und wachsam, ob man sich’s richtig überdacht hat. Aber natürlich, es erfordert ungeheure Spannung. Ein gutes Leben wird’s wahrscheinlich nicht sein, vielleicht ein Gejagtsein, eine ewige Flucht. Da kann ich dir keine Antwort geben, du mußt selbst wissen, ob du den Mut hast.« Christine denkt nach. Es ist so schwer, all das plötzlich zu überdenken. Dann sagt sie: »Allein habe ich zu gar nichts Mut. Ich bin eine Frau – für mich allein kann ich gar nichts, nur für jemand andern, mit jemand anderm kann ich etwas tun. Für zwei, für dich, da kann ich alles. Wenn du also willst … « Er geht rascher. »Das ist es ja, ich weiß nicht, ob ich will. Du sagst, es sei dir zu zweit leicht. Mir wäre es wieder leichter, es allein zu tun. Da wüßte ich, was setze ich ein, ein verpfuschtes, ein verstümmeltes Leben – gut, weg damit. Aber ich habe Angst, dich mitzureißen, du hast den Gedanken ja gar nicht gedacht, er ist von mir. Ich will dich in nichts hineinreißen, ich will dich zu nichts verleiten, und wenn du etwas tun willst, mußt du es aus dir tun und nicht aus mir.« Hinter den Bäumen kommen kleine Lichter hervor. Der Feldweg ist zu Ende, sie müssen gleich am Bahnhof sein. Christine geht noch immer wie betäubt. »Aber … wie willst du das machen«, sagt sie ganz ängstlich. »Ich begreife es nicht. Wohin sollen wir denn damit? Ich lese doch immer in der Zeitung, daß sie alle diese Menschen abfassen. Wie denkst du dir denn das?« »Ich habe noch gar nicht angefangen, darüber nachzudenken. Du überschätzt mich. Die Idee, die hat man in einer Sekunde, und nur die Dummköpfe führen sie ebenso hastig aus. Darum werden sie auch immer gefaßt. Es gibt zweierlei Verbrechen – was man so im üblichen Sinne als Verbrechen nennt – diejenigen aus Leidenschaft und die überlegten und durchdachten. Die aus Leidenschaft sind vielleicht die schöneren, aber sie mißlingen meist. So machen es die kleinen Kommis, sie greifen in die Portokasse und fahren auf den Rennplatz und glauben, sie gewinnen oder der 187
back to the  book Rausch der Verwandlung"
Rausch der Verwandlung
Title
Rausch der Verwandlung
Author
Stefan Zweig
Date
1982
Language
German
License
PD
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
204
Categories
Weiteres Belletristik
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Rausch der Verwandlung