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Rausch der Verwandlung
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Verhalten im Ausland und weitere Pläne Eine genaue Feststellung läßt sich erst an Ort und Stelle vornehmen, hier nur einige allgemeine Punkte: a) Aussehen: Wir müssen in Kleidung, Benehmen und Gehaben Angehörige einer mäßig bemittelten Mittelschicht darstellen, weil diese am unauffälligsten ist. Nicht zu elegant, nicht zu ärmlich, und vor allem werde ich mich als Angehöriger einer Klasse ausgeben, die am wenigsten in Verdacht steht, mit Geldaffairen gebunden zu sein: ich werde den Maler spielen. Ich kaufe in Paris eine kleine Handstaffelei, einen Klappsessel, Leinwand, Palette, so daß überall, wo wir hinkommen, mein Beruf auf den ersten Blick offenkundig wird und jede weitere Frage überflüssig. Und in Frankreich, an allen romantischen Ecken treiben sich Tausende Maler das ganze Jahr herum. Es fällt nicht weiter auf und erregt von Anfang her eine gewisse Sympathie wie zu eigenartigen und ungefährlichen Menschen. b) Dementsprechend muß auch unsere Kleidung sein. Samt oder ein Leinenrock, den Künstler ein wenig betonend, sonst völlige Unauffälligkeit. Du trittst als Helferin auf, trägst mir die Kassette und den Kodak. Solche Leute fragt man nicht um ihr Warum und Woher, man wundert sich nicht, daß sie sich kleine versteckte Nester aussuchen, und auch das Fremdsprachige fällt bei ihnen nicht weiter auf. c) Sprache: Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir nur miteinander sprechen, wenn möglichst niemand dabei ist. Es muß auf jeden Fall vermieden werden, daß die Leute merken, daß wir miteinander deutsch sprechen. Am besten wählen wir zur Verständigung vor den Leuten zwischen uns die alte Kindersprache, die Be-Sprache, die es Ausländern nicht nur unmöglich macht, etwas zu verstehen, sondern auch rätselhaft macht, in welcher Sprache man spricht. In Hotels sind womöglich Eckzimmer zu nehmen oder solche, von denen ein Nachbar nicht zuhören kann. d) Häufiger Wechsel des Orts: Ein häufiger Wechsel des Aufenthaltsortes ist geboten, weil nach einer gewissen Frist Steuerpflicht oder irgendwelche Nachforschungen von Behörden eintreten können, die zwar mit unserer Sache nichts zu tun haben, aber immerhin Unannehmlichkeiten schaffen können. Zehn bis vierzehn Tage, in kleineren Orten vier Wochen, ist die richtige Frist, auch weil sie verhindert, mit den Hotelleuten zu bekannt zu werden. e) Geld: Das Geld ist von uns ständig geteilt zu tragen, insolange wir nicht an irgendeiner Stelle ein geschlossenes Bankfach mieten können, was zumindest in den ersten Monaten gefährlich ist. Selbstverständlich ist es nicht 200
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Rausch der Verwandlung
Title
Rausch der Verwandlung
Author
Stefan Zweig
Date
1982
Language
German
License
PD
Size
21.0 x 29.7 cm
Pages
204
Categories
Weiteres Belletristik
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