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174 REfLExIvER KoSMoPoLITANISMUS
Übung b): Was ist Realität?
Nach dem Ausfüllen der obigen Tabelle, beurteile deine Antworten auf einem Blatt
Papier; wenn du „?“ angekreuzt hast, begründe dies.
Danach vergleiche deine Antworten mit denen deiner Mitschülerinnen und Mit-
schüler und beantworte die folgenden Fragen:
1. Ist die Wirklichkeit wirklich?
2. Wenn ihr verschiedene Antworten gegeben habt, warum?
3. Existiert jenseits der Wirklichkeit noch eine andere Wirklichkeit?
4. Sind Träume, Ideen und Dinge, die du dir vorstellen kannst, wirklich?
5. Ist die Idee eines Gegenstandes so wirklich wie der Gegenstand selbst?
6. Welches ist das Verhältnis, sofern es eines gibt, zwischen der Idee eines Gegen-
standes, dem Traum von einem Gegenstand und dem Gegenstand selbst?
Leitgedanke 3: Untersuchung und Fehler
Jedes Mal, wenn wir ein Problem haben, aktivieren wir einen (Untersuchungs-) Prozess, um
eine Lösung zu finden. Die Art des Problems ist nicht entscheidend: es kann komplex oder
weniger komplex sein. Basierend auf Kriterien, die durch induktives oder deduktives Begrün-
den gewonnen wurden, sind wir ausgehend von unseren Erfahrungen in der Lage, vom Be-
sonderen auf Allgemeines und vom Allgemeinen auf Besonderes zu schließen. Wie dem auch
sei, im Alltag kann ein rationaler induktiver oder deduktiver Zugang, sofern der Kontext nicht
kritisch hinterfragt wird, falsche oder vorurteilsbehaftete Überzeugungen, widersprüchliche
Schlussfolgerungen, Generalisierungen oder voreilige Ergebnisse hervorbringen.
Wenn meiner Erfahrung nach die Muslime, die ich kenne, niemals Bier trinken, könn-
te ich schließen, dass kein Muslim jemals Bier trinkt: In diesem Fall berücksichtige ich
nicht die Nuancen der globalen Wirklichkeit. Es könnte sein, dass manche Muslime, selbst
wenn sie respektvoll gegenüber ihrer Religion sind, manchmal Bier trinken und dass dies
nichts an der Tatsache ändert, dass sie gute Muslime sind. Wenn ich andererseits von der
Prämisse ausgehe, „Afrikaner und Afrikanerinnen haben Rhythmus im Blut“, könnte ich
meine afrikanischen Freunde bitten, mir Tanzunterricht zu geben, ohne in Betracht zu zie-
hen, dass sie vielleicht gar nicht gerne tanzen, und ich sie mit der Frage sogar beleidige.
Das Bewusstsein über die Möglichkeit sich zu irren und Fehler zu machen, ist grund-
legend für den Forschungsprozess und kann helfen, zugrundeliegende Voraussetzungen
zu korrigieren. Dieses Bewusstsein ist sehr wichtig, da wir differenzieren lernen, die Viel-
falt der Wirklichkeit berücksichtigen und Generalisierungen, die oft zu Vorurteilen werden,
vermeiden.
Diskussionsplan: untersuchen/Prüfen
1. Wenn ich weiß, dass mein Hund, wenn er mich sieht, mit dem Schwanz wedelt,
bedeutet das, dass alle Hunde mit dem Schwanz wedeln, wenn sie einen Men-
schen treffen?
2. Wenn ich weiß, dass sich Liebespaare gerne umarmen, und ich sehe, wie zwei
Menschen sich umarmen, bedeutet dies, dass sie ineinander verliebt sind?
3. Wenn mein Bruder und ich uns die ganze Zeit streiten, bedeutet das, dass alle
Brüder und Schwestern in der Welt die ganze Zeit streiten?
4. Wenn ich ein Problem habe, muss ich es immer so schnell wie möglich lösen?
Reflexiver Kosmopolitanismus
Entwicklung einer Forschungsgemeinschaft durch den philosophischen Dialog
- Title
- Reflexiver Kosmopolitanismus
- Subtitle
- Entwicklung einer Forschungsgemeinschaft durch den philosophischen Dialog
- Editor
- Ediciones La Rectoral
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-SA 4.0
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 190
- Categories
- Lehrbücher PEACE Projekt