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könnte. Tatsächlich solltediePfingstnummerdes Jahres 1934 für zwölf Jahredie
letzteAusgabebleiben.FickerschriebSchaukal:
Ich kann auch kĂĽnftig nur berĂĽcksichtigen, was in der Linie dieser Entwicklung nicht
schonoffenbar, sondernnoch verhĂĽllt ist. Es sinddoch erst die ersten Schleier, die sich
vordemneuen, schonbanggeahntenundbaldsichmehrverdichtendenWeltbildheben.
Ich selbst konzipieremeinenkleinen, aber gewagtenBeitrag,wie ich immerwiederbeto-
nenmuĂź,ganz insUnsichereundUngewolltehinein.158
Schaukal reagierte gekränkt und versicherte in einem Schreiben vom 13. Juni
1934,keinerleiPublikationsanfragenmehranFicker richtenzuwollen.159
In lediglich einemFallwurdeRichardSchaukal zumwichtigstenMitarbeiter
einer Kulturzeitschrift, nämlich im Jahr 1919 für Das Gewissen von Alois Essig-
mannundRudolf Falk. Bereits seit Ende Juli 1916 stand ermit demSchriftsteller
und Publizisten Essigmann in Verbindung. Dieser Kontakt sollte sich zu einem
der wesentlichen Bezugspunkte in der Zwischenkriegszeit und Essigmann zum
erstenFĂĽrsprecher fĂĽrSchaukalskonservativeNeupositionierungimliterarischen,
aber auch impolitisch-ideologischenFeld entwickeln. GegenĂĽberKubinbezeich-
nete Schaukal rückblickend seinWirken fürDasGewissen als Höhepunkt seiner
„scharfenOppositiongegendiedemokratisch-republikanisch-verjudeteZeit.“160
DerMalerMaximilianLiebenwein,EssigmannsSchwager,mitdemSchaukal
1914 den illustrierten Band Kindergedichte herausgegeben hatte,161 hatte den
Kontakt zwischen dem zu der Zeit noch in Berlin lebenden Schriftsteller und
deminWientätigenBeamtendichtervermittelt.DieerstenBriefesindvongegen-
seitigenweltanschaulichen,kulturellenundästhetischenBekenntnissengeprägt.
Essigmann und Schaukal debattierten ĂĽber die Bedeutung Otto Weiningers
(1880–1903) und vor allemüber Karl Kraus.Wie Essigmann seinemBriefpartner
mitteilte, hatte er sich inBerlinmit demHerausgeber der Fackel getroffen, dabei
sei auch vonSchaukal die Rede gewesen.162 Nicht zuletzt versicherten sie sich in
158 Brief Fickers anSchaukal, 9. Juni 1934, in: Zangerle (Hg.): LudwigvonFicker:Briefwech-
sel 1926–1939,S. 255–256,hierS. 256.
159 Vgl. denBrief Schaukals an Ficker, 13. Juni 1934, in: Zangerle (Hg.): Ludwig von Ficker.
Briefwechsel 1926–1939,S. 256.
160 BriefSchaukalsanKubin, 18. Juli 1933,K-S,BSB.
161 Vgl. Schaukal: Kindergedichte. Aus den fernen Tagen der tannengrĂĽnen Kindheit . . .
(Werke 1892–1896).Mit Bildern vonMaximilian Liebenwein.Wien 1914. Der Gedichtband ge-
langte nicht in den Buchhandel, sondern wurde an diverse Bibliotheken in Ă–sterreich und
Deutschland vergeben. Drei Exemplare wurden zu je 200Mark verkauft. Schaukal spendete
denGesamterlös demRotenKreuz; vgl. [Anon.]: [ohneTitel]. In:Neue Freie Presse,Nr. 17961
(26.August 1914),S. 11.
162 Vgl.denBriefEssigmannsanSchaukal, 14.Februar1917,S-NL,WB.
2 PublizistischeNetzwerke 131
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik