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denerstenBriefengegenseitig ihrerantisemitischenGesinnung,163dieauch inder
später gegründeten ZeitschriftDas Gewissen zumPrinzip erhobenwerden sollte.
Am 16.November 1918 erwähnte Essigmanngegenüber Schaukal seinVorhaben,
zusammenmit Rudolf Falk eine Zeitschrift ins Leben rufen zuwollen. Er bat den
KollegenumdessenMitarbeitundumdieVermittlungvonpotentiellenBeiträgern,
diedemGeist undderProgrammatik vonDasGewissen entsprechen.Die inWien
aufgelegte Halbmonatsschrift erschien erstmals imMärz 1919, wurde aber nach
nurfĂĽnfMonatenmitdemJuli-Heft,derNummer9/10,wiedereingestellt.
DasGewissenwidmete sich literarischenundkulturellen, aber auchpoliti-
schen und wirtschaftlichen Themenfeldern. Bereits die in der Buchhändler-
Correspondenz geschaltete Ankündigungsannonce trägt Schaukals antisemiti-
scheundkulturkritischeHandschrift:
„DasGewissen“sollüberallenParteienundMeinungenstehend,unbeirrtdurchalleVorteile,
diediesoder jenesSystem,sei’s inPolitikoderWirtschaft,verspricht,seineStimmewarnend
erhebenund inehrlicherKritik stets daraufhinweisen,welcheungeheurenOpfer anKultur
unsereZeitderZivilisationbringt. Immerwiedersoll eserinnern,daĂźnichtallesgut ist,was
notwendig ist, daßdesLebensNotdurft keinegeistigeAngelegenheit ist–Zivilisationnicht
Kultur–OrganisationnichtWachstum! [...] InderÜberflutungallesöffentlichenLebensmit
jĂĽdischemGeist, sehe ich [...] eineungeheureGefahr fĂĽrunserWesen [...].DasguteGewis-
sen,derreinkĂĽnstlerischeTeil, sollunsereSehnsuchtausschreien[...].164
Schaukals Einfluss auf die von Essigmann und Falk geleitete Zeitschrift war
groß. Auf seine Veranlassung hin veröffentlichte Richard Dehmel,mit dem er
wegendes erwähntenpolitischenAufrufs ohnehin inKontakt stand, einen sei-
ner letztenBeiträge imerstenHeftvonDasGewissen.
Die Liste der Beiträger deckt sich weitestgehend mit Schaukals ästheti-
scher Affinität und seiner rechtskonservativen, später auch faschistischen
Ideologie.165 Rudolf Huch (1862–1943), Jörg Lanz von Liebenfels (1874–1954),
EmilWohlgemuth,HansPaul Freiherr vonWolzogen (1848–1938) undArthur
Schurig befanden sich zu jener Zeit im selben Netzwerk wie Schaukal. Von
163 Vgl. die Briefe Essigmanns an Schaukal vom 20. Juli sowie vom 5., 15. und 26. Oktober
1916,S-NL,WB.
164 Anzeige in: Buchhändler-Correspondenz, Nr. 9/1919 (26. Februar 1919), S. 125; Hervorh.
im Orig. durch Fettung. Siehe auch Dietzel/HĂĽgel: Deutsche literarische Zeitschriften
1880–1945,S.497.
165 ZuSchaukalsAnnäherungandenundDistanzierungvomNationalsozialismusvgl. Chris-
tian Neuhuber: Der „Fall Schaukal“. Richard von Schaukals Auseinandersetzungenmit der
NS-Presse um „Anschluss“und „Österreich-Idee“ 1932–1934. In:Modern Austrian Literature,
Bd.38,Nr.3–4(2005),S. 13–36.
132 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik