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IneinemBrief anKubinblicktSchaukal 1933 resignativundverklärendauf
dieökonomischeundsymbolischePosition jener Jahrezurück:
Bis etwa 1913war ichein sorgenloser, seitdemeinwohlhabender, janachdemTodemei-
nes Schwiegervaters fast ein reicherMann. Obmanmir–der ich von 1896 (Simplicissi-
mus-Gründung)bis 1908gepriesenundüberallgedrucktwurde–einHonorarzahlteoder
nicht,warmirgleichgiltig.DieBlätternütztenmichweidlichaus.)171
Dabeihatte ihnseinErfolgalsLyrikersogarkurzzeitigmitdemInitiatordesFu-
turismusFilippoTommasoMarinetti (1876–1944) inKontakt gebracht. 1905 er-
schienen im ersten Jahrgang der von Marinetti gegrĂĽndeten italienischen
KunstzeitschriftPoesiaGedichtevonSchaukal imdeutschenOriginal.Vielleicht
warderFuturist 1903 in seinerFunktionalsSekretärderPariser ZeitungLacri-
tique internationale auf Schaukal aufmerksam geworden. Immerhin veröffent-
lichtedaseinflussreichePeriodikumindiesemJahraucheineĂśbersetzungvon
Schaukals zuvor imMagazin für Litteratur erschienenenArtikel „Die deutsche
LitteraturderGegenwart“.172
DieserüberwiegendliterarischgeprägtenPhase,dieSchaukalzumBeiräger
in relevanten Zeitungen und Zeitschriften der europäischen Moderne erhob,
folgte einEngagementgegendieparlamentarischeDemokratieund fĂĽrdenKa-
tholizismus, das sich zunehmend in Essaybänden und Aufsätzen ausdrückte,
die etwa inDer Christliche Ständestaat,Die Reichspost, Schönere Zukunft und
Der Gral erschienen.Mit der Politisierung, so lässt sich resümieren,wechselte
Schaukal auch die Gattung, ohne sich jedoch vomFormat des Gedichtbandes
zudistanzieren,wiediesetwabeiHofmannsthalderFallwar.173
3 SchaukalalsObjektderKritik
Ein erster umfassender Artikel ĂĽber Schaukals Dichtung erschien 1902 in der
Wiener Zeitung. Der Literaturkritiker und spätere Chefredakteur Rudolf Holzer
(1875–1965)widmete dem lyrischenWerk desDichters hier knapp sechs Spalten.
Dabei rückteerSchaukal indieNähevonJung-Österreich.Gegenüberdenanderen
steche er allerdings aufgrund einer „schlichteren“ Poetik angenehmhervor: „Im
Blumengarten der jüngeren österreichischen Lyrik blühen ein paar prächtige,
exotischeZierstücke, einigebuntschillerndeNichtigkeiten, unddann– verborgen
171 BriefSchaukalsanKubin, 18. Juli 1933,K-S,BSB.
172 Vgl.Pietzcker:RichardvonSchaukal,S. 194,FuĂźnote11.
173 Hofmannsthalbliebder lyrischenGattung lediglich inseinenLibretti treu.
134 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik