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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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ImFallBettauer interveniertevorallemder1920gegründeteSchutzverband Deutscher Schriftsteller in Österreich, kurz SDSOe. Diesem war es gelungen, „die Autoren aller Prominenzgrade und ungeachtet ihrer Weltanschauungen unter ein organisatorisches Dach zu bringen“,231 so Richard Schaukal. Der SDSOewar Ausdruck einer zunehmenden Emanzipation der Autoren, die ihre Stellung imProduktionsprozess des Buches zunehmend reflektierten und eine stärkere Rechtsgrundlage für ihren Berufsstand einforderten.232 In Anbetracht dessenerscheint esbesondersparadox,dassSchaukal alsMitglieddesSchutz- verbandes von genau diesemdie Intervention gegen Bettauer, einen Kollegen und ebenfallsMitglied desVerbandes, forderte. Schließlichwar geradeder Er- halt der Meinungsfreiheit und die Bekämpfung wiedererstarkender Zensurbe- strebungen inÖsterreichdaserklärteZieldesSDSOe. DasEndederErstenRepublikwar letztlichdasErgebniskontinuierlicheran- tidemokratischerProzesse,DiskurseundGewalthandlungen,anderendestrukti- ver Dynamik auch Schaukal Anteil hatte. Mit der Errichtung des christlichen Ständestaatesam1.Mai1934gingeinezunehmendeFörderungdespatriotischen BewusstseinsderBevölkerungeinher, die sichaußerdemgegendiePropaganda der Nationalsozialisten richtete. In diesem Zusammenhang legte der austrofa- schistische Ständestaat ein besonderes Augenmerk auf die Kulturarbeit, vor allemaufdieBeförderungeines sinn-undgemeinschaftsstiftendenantiurbanen, alpenländischenÖsterreichbildes.233 Die Instrumentalisierung der Kulturbereiche und Bildungseinrichtungen sowie von Instanzender Buchdistribution lässt sichunter anderemanderAn- thologieDasHerz Europas. Ein österreichischesVortragsbuch (1934) ablesen.234 Ihre nationalstaatliche Österreich-Ideologie legt das Vorwort der Anthologie offen, an der unter anderem Peter Rosegger (1843–1918), Bahr und Schaukal, aberauchZweig,WerfelundSaltenmitwirkten. DieseÖsterreich-Ideologiewar freilich nicht ganzneu. Bereits ab 1917 ent- standen ideologisch durchdrungene Sammelwerke, in denen vermehrt die Ös- terreich-Idee propagiert wurde. Der Militärhistoriker Alois Veltzé (1864–1927) publizierte in den letzten beiden Kriegsjahren (mit den vorausgreifenden 231 Vgl.Bachleitner/Eybl/Fischer:DieGeschichtedesBuchhandels inÖsterreich,S. 284. 232 Vgl. Martina Salomon: Die Produktionsbedingungen österreichischer Schriftsteller von 1918bisheute.DerSchriftstellerzwischenBerufundBerufung.Diss.Univ.Salzburg, 1986. 233 Vgl.KarlheinzRossbacher:ProgrammundRomanderHeimatkunstbewegung. In:Sprach- kunst, 5. Jg. (1974),S.301–326. 234 Robert Lohan,WaltherMaria Neuwirth undViktor Trautzl (Hg.): Das Herz Europas. Ein österreichischesVortragsbuch.Mit einer kulturkundlichenEinleitung vonOskar Benda.Wien 1934. 4 Übersetzer-undAnthologiennetzwerke 151
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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