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Jahreszahlen 1918 beziehungsweise 1919) seinen Donauland-Almanach, der
in der gleichnamigen Zeitschrift unter anderemauchBeitrÀge von Schaukal
undHofmannsthal (âDer Ăsterreicher und der PreuĂeâ) enthielt. DerAlma-
nachbelegt dabei auchdie hoheMaterialqualitÀt, die trotz finanzieller Eng-
pÀsse in der ersten Zeit nach dem Krieg die Buchproduktion hemmte. So
freute sich einRezensent vor allemĂŒberdie gelungeneAusstattungundden
angenehmen haptischen Effekt des Almanachs: âDer steife Einband ist von
bester FriedensqualitÀt und der Druck der Bilder [. . .] durch Unterlegung
einerTonplatte inderĂ€sthetischenWirkunggehoben.â235
Das anthologische Format erfreute sich zweifelsohne groĂer Beliebtheit,
wie auchder SammelbandĂsterreichischeLyrikderGegenwartbelegt, der 1934
beiSaturnmit einemBeitragSchaukalserschien. 1938wurdeSaturn,der inder
völkischen Presse als âJudenverlagâ verĂ€chtlich gemacht wurde, âarisiertâ. Tat-
sÀchlich vereinte der in Wien ansÀssige Verlag unter seinem Dach sowohl
Schriftsteller ausdemkonservativenSpektrumals auchVertreter des liberalen
Lagers, dieAblehnungdesNationalsozialismusundBefĂŒrwortungderösterrei-
chischenEigenstaatlichkeit fĂŒhrtesie inunfreiwilligerEintrachtzusammen.236
EinweitererVerlag, der sichdie Förderung junger österreichischer Lyrik in
Form von Anthologiepublikationen und Dichterwettbewerben zum Ziel setzte,
war Krystall. FĂŒr die 1930 von demLyriker, ErzĂ€hler und Essayisten Friedrich
Sacher (1899â1982) herausgegebeneAnthologie junger Lyrik aus Ăsterreich, die
unter anderem Gedichte von Josef Weinheber (1892â1945) und Otto Basil
(1901â1983) umfasste, schriebSchaukal dasVorwort.AusdemUmfelddesVer-
lages etablierte sich kurzfristig ein Zirkel, der sich unter der Leitung Sachers
zumDichterkreis âDie Gruppeâ zusammenschloss. Der GrĂŒnder unternahmden
Versuch, Schaukal als Spiritus Rector zu gewinnen. In Briefen spricht er den
Ă€lteren Kollegenmit âMeisterâ an, bezeichnet ihn als âHauptâ der österreichi-
schen Gegenwartslyrik und bittet ihn schlieĂlich um ein Vorwort fĂŒr die ge-
plante Sammlung. DieAnthologie junger Lyrik ausĂsterreich orientiere sich an
denvonKlausMann (1906â1949) imReclam-VerlagherausgegebenenSammel-
werken, so Sacher, der denMarkt als âseltsam aufnahmefreudigâ fĂŒr LyrikbĂŒ-
cher bezeichnete.237 Am1.MĂ€rz 1930 teilte er Schaukalmit, dassKrystall unter
235 [Anon.]: Donauland-Almanach 1919. In: Feldkircher Anzeiger, Nr. 51/1918 (18. Dezember
1918),S. 2.
236 Vgl.MurrayG.Hall:Saturn-Verlag (PhaidonVerlag) (Wien). In:Hall:ĂsterreichischeVer-
lagsgeschichte. Bd. 2, 1985. Online: http://verlagsgeschichte.murrayhall.com/?page_id=562
(zuletztaufgerufenam31. Juli 2019).
237 Briefe Sachers an Schaukal, 8.MĂ€rz 1929 und 13. Januar 1930, S-NL,WB.Mit der Klaus-
Mann-Anthologiemeint Sacher vermutlich die gemeinsammit Erich Ebermayer (1900â1970)
152 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik