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Balthesser-Lesung nicht statt. FĂŒr denselben Zeitraum sind stattdessen ein
Vortrag von Henry van der Velde (1863â1957) am 14. November 1907 sowie
eine Dichterlesung Heinrich Manns am 21. November 1907 verzeichnet, ein
Ersatzprogramm,dasSchaukalgegendenStrichgegangenseindĂŒrfte.253
Auchwenn es 1907 zu keinemBerlin-Besuch kam, unterstreicht die Einla-
dung dennoch seine Position als Dichter im literarischen Feld Deutschlands,
und sie erstaunt, daWalden fĂŒr die Dichterlesungen undVortrĂ€ge im âVerein
fĂŒr Kunstâ ansonsten auf den Freundes- oder nĂ€heren Bekanntenkreis zurĂŒck-
griff. Walden war auf den österreichischen Schriftsteller aufmerksam gewor-
den, kurz bevor er sein Sturm-Netzwerk aufzubauen begann, ĂŒber das sich in
derFolgeeinigeder einflussreichstenKĂŒnstlerprofilierensollten.254KarlKraus
las erstmals am 13. Januar 1910 im âVerein fĂŒr Kunstâ, doch hatte auch er zu
BeginndesKontaktesskeptischaufdieEinladungausBerlin reagiert.
WaldenhattewÀhrendeinerWien-Reise im Jahr 1909denHerausgeberder
FackelundAdolf Loos kennengelernt, kurz darauf begann er sich fĂŒr die Ver-
mittlung von Krausâ Schriften einzusetzen. Der erste Schritt zur Förderung ta-
lentierter, in Deutschland wenig bekannter KĂŒnstler war die Organisation
regelmĂ€Ăig stattfindender Dichterabende im âVerein fĂŒr Kunstâ, der bis 1913
existierte und dann in den Sturm-Kreis ĂŒberging.255 Schaukals 1910 im Sturm
publizierterAufsatzĂŒberLoos ist derNachhall seiner kurzfristigenEinbindung
indenBerlinerKĂŒnstlerzirkel,dervorallemspĂ€termitdessenĂ€sthetischerund
weltanschaulicher Position stark differierte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass
FranzBleioderAlfredKubin,der 1901/1902Werke imSalonCassirerausgestellt
hatte,denKontakt zwischenWaldenundSchaukalhergestellthatte.Krausund
auchLooskommenalsVermittler nicht inBetracht, daWaldenmit beidenerst
zwei JahrenachderKorrespondenzmitSchaukalBekanntschaft schloss.
Um 1910 war Schaukal zu einer zeitkritischen Instanz avanciert, dabei
machte er sich vermehrt auchmit Blick auf stadtbildnerische Fragen sowie als
Kenner und Förderer bildender KĂŒnstler einen Namen. 1911 besuchte er zum
Beispiel dieHagenbund-Ausstellung inderWiener Zedlitzhalle, dieWerke von
253 Vgl. Irene Chytraeus-Auerbach: Herwarth Waldens frĂŒhe AktivitĂ€ten: Networking im
Namen des âVerein fĂŒr Kunstâ. In: Der Aufbruch in dieModerne. HerwarthWalden und die
EuropÀische Avantgarde. Hg. von Irene Chytraeus-Auerbach und Elke Uhl. Berlin 2013,
S. 13â34,hierS.30.
254 Vgl. Chytraeus-Auerbach: HerwarthWaldens frĂŒhe AktivitĂ€ten; siehe auch Peter Spren-
gel: Verein fĂŒr Kunst. In: Handbuch literarisch-kultureller Vereine, Gruppen und BĂŒnde
1825â1933. Hg. von Wulf WĂŒlfing, Karin Bruns und Rolf Parr. Stuttgart/Weimar 1998,
S.465â469.
255 Vgl. PfÀfflin: Herwarth Walden und Karl Kraus, Adolf Loos und Oskar Kokoschka,
S. 165â166. 5 Vereine,VerbĂ€ndeundOrganisationen 157
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik