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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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der außerordentlichen Qualität des Künstlers überzeugt waren, erzeugte einen „Wirkungskomplex“, der die Tradierung eines literarischen Akteurs zum Ziel hatte. „Damit diese Rezeptionskette zu einer im literaturgeschichtlichen Sinne epochalenKanonisierung führt,bedarf esvielerVermittlerinstanzen,dieeineEr- wählungdesDichters und seinesWerkes anstoßenundausführen“, so Charlier. Schaukal ist indiesemSinneeinGlieddieservielen„Vermittlerinstanzen“, die in einen nicht vollständig überschaubaren Prozess eingebunden sind. Schließlich bleibt jedoch offen, „inwelchemMaße sich in diesemProzess historisch kontin- gente und –mentalitäts- oder ideologiegeschichtlich betrachtet – inkontingente Einflüsse überlagernund vermengen“und es bleibt „unauflösbar, inwieweit die Fülle und der farbige Facettenreichtum dieser Wirkungen eine Ursache oder Folge der Klassikerwerdungdarstellen.“327 Daraus leitet sich eine zentrale Frage der Kanontheorie ab: Lassen sich „hergestellte“, also konstruierte Kanons, von jenen unterscheiden, die sich aus einer Vielzahl parallel und unkoordiniert ab- laufenderProzesse „herausgebildet“haben?328 Es geht alsoumdasgegenseitige Abwägendessen,was schließlich zumKanonundauchzur–vomKanonableit- baren–Biographiewürdigkeit führt: der äußere Einfluss (Konstruktion) oder die persönlicheLeistung(Genie)? 7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik DasKonzeptderpoetischenWiederaufnahme,das für vieleDichterder Jahrhun- dertwende sobezeichnend ist, drückt sich bei Schaukal unter anderem inForm von inhaltlichen und ästhetischen Rekursen auf die historische Romantik aus. MitNeuromantik ist Schaukals literarischeAdaptionvonantinaturalistischen, ir- rationalenThemenundMotiven, aberaucheinehistorisierendeundeklektizisti- sche Formsprache, die vor allem seine Lyrik prägte, gemeint.329 Die Begriffe Ästhetizismus, Symbolismus, Jugendstil oder Dekadenz, die ebenso auf den Antinaturalismus in der Literatur angewendet werden können, erweiterte er durch die bewussteWiederaufnahme von Friedrich Schlegels literaturkritischer 327 Charlier:Klassikermacher,S. 53–54. 328 Alfred K. Treml: Klassiker: ‚Herstellung‘ oder ‚Herausbildung‘? Über die Evolution ein- flussreicherSemantik. In:Kanonbildung,S. 143–160,hierS. 143. 329 Vgl. Peter Sprengel: Neuromantik. In:ModerneLiteratur inGrundbegriffen.Hg. vonDie- ter Borchmeyer undViktor Žmegač. Tübingen 1994, S. 335–339.Neuromantik ist ein in politi- scher Hinsicht komplexer Begriff, eine dahingehende Einordnung würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit übersteigen. Hier soll lediglich Schaukals innerliterarische Hinwendung zurhistorischenRomantik thematisiertwerden. 176 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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