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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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trafen sich regelmäßig und es entstand bei diesen Zusammenkünften auch die letztlichnichtausgeführte Idee,einenRomandesSchriftstellerszuillustrieren.386 Ein weiteres Bindeglied zwischen den Prager Literaten und Schaukal war neben Kubin und Brod auch der bereits mehrfach genannte Literaturvermittler FranzBlei, einerdererstenFördererKafkas.387Bleisaus15biographischenKurz- essaysbestehenderBandMännerundMaskenbeginntmiteinerSkizzeüberHoff- mann.388 Der „Vermittler zwischen Vermittlern“ beförderte maßgeblich den Kulturtransfer zwischen den Metropolen der Moderne.389 Allerdings begriffen sichdiemeistenderAkteure,mitdenenSchaukal inVerbindungstand,nichtals abgeschlossene, zusammengehörendeGruppe. ÄhnlichHermannBahr, der sich rückblickendalsGründungsvaterdesJungenWienbezeichnete,prägteauchMax BrodausderRückschau ‚seinen‘PragerKreis.BeideBeispiele sindalsSelbstein- schreibungineinenmythischerhöhtenDichterzirkelzuwerten. ObwohlsichnichtallederhiergenanntenAkteuredesNeuromantik-bezie- hungsweiseHoffmann-NetzwerksalsGruppeempfanden,bildetedasPersonen- gefüge nominalistisch betrachtet ein Netzwerk. Ihre Umwelt war von ganz ähnlichen geographisch-politischen Verhältnissen und kulturellen Diskursen geprägt. Sie fandennichtnur inHoffmanneinübereinstimmendes literarisches Interesse, sondernauch imDichterDetlevvonLiliencron,dendiedeutschspra- chigenPragerAutorenam13. Januar1897zueinemLeseabendin ihreStadtein- luden: eine gemeinschaftsstiftende Handlung, die darüber hinaus als Spitze gegendenDichterkreis Concordia gedachtwar, eine „Gruppekonservativer Li- teraten“ rund um Hugo Salus und Friedrich Adler. Liliencron sei nach Prag eingeladenworden, damit er als „Fanal ihres Kampfes“ gegendie ältereDich- tergeneration in der Stadt auftrete. „Schade, daß dieses Fanal so viel von den Schulden erzählte, die ihm auf dem Buckel lagen“, so Max Brod Mitte der 1950er Jahre, der damit ironisch auf Liliencrons ökonomische Erwartungen an denBesuchanspielte.390Diese scheinen sich erfüllt zuhaben, dennnebender „Versicherung vieler neuer begeisterter Freunde“ erhielt der Dichter von Rilke, dermaßgeblich anderOrganisation desAbends beteiligt war, einHonorar von 386 Vgl.denBriefKubinsanSchaukal, 20.Februar1907,S-NL,WB. 387 In der von Blei gemeinsammit Carl Sternheim (1878–1942) herausgegebenen Zeitschrift Hyperionwurden die erstenWerke Kafkas veröffentlicht; vgl. Paul Raabe: Franz Kafka und Franz Blei. In: F. Kafka. Ein Symposion. Datierung, Funde,Materialien. Berlin 1965, S. 7–20. Vgl.außerdemMitterbauer:DieNetzwerkedesFranzBlei,S. 100–105. 388 Vgl.FranzBlei:MännerundMasken.Berlin1930. 389 Mitterbauer:DieNetzwerkedesFranzBlei,S.92. 390 Brod: Liliencron in Prag. In: Die Zeit, Nr. 28/1955 (14. Juli 1955). https://www.zeit.de/ 1955/28/liliencron-in-prag (zuletztaufgerufenam31. Juli 2019). 188 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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