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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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300 Mark. Gegenüber Wilhelm von Scholz bezeichnete Rilke das Ereignis als „materiellen und ideellen“Erfolg.391Wenige Tage später berichtete er Schaukal von der gelungenenVeranstaltung.392 Dieser verfasste einen glühendenArtikel überdieneueLiteratur inPragunddenvon ihnenverehrtenälterenDichter,der am23.Maiund6. Juni 1897 inderBrünnerSonntagszeitungerschienund indem erbeklagte,dassdieLeutenochnichtwüssten,„daßwirschoneinestarke junge Literatur haben. Es ist eine Schmach, dass man jetzt für Liliencron sammeln muss,derdochschon ‚officiell‘angenommenist.“393 MaxBroderinnerte sichnoch fast 60 Jahre später lebhaft andenerstenöf- fentlichenAuftrittdes JungenPragaufdembürgerlichenParkett ihrerStadt: AmSonntagvormittag, da das ganze deutsche Prag sich auf dem „Graben“ versammelte und in zwei langen Kolonnen aneinander vorbeipromenierte (merkwürdiger Kleinstadt- brauch,den ichmir ineinheutigesStadttempogarnicht einfügenkann): ansolcheinem Vormittag erschienen unsere Neo-Romantiker in geschlossener Gruppe auf dem „Bum- mel“, jeder einen riesigenKalabreser auf demKopfund jeder eine langstielige rosaRose vorsichhertragend,alsgelteeseinenneuenKultderSchönheit zustiften.Pragwarscho- ckiert;aberLiliencronfanddieSacheganz inOrdnung.394 Rilke, der am provokanten Bummel teilgenommen haben dürfte, agierte seit Mitte der 1890er Jahre alsMittelsmannzwischendenneuromantischbeeinfluss- tenZeitschriften,VerlagenunddichterischenAkteuren inPragundMünchen.Er war imJahr 1896Beiträgerderdort ansässigen literarischenOrgane Jugend,Sim- plicissimusundDerwahre Jacob. ImDezemberdesselbenJahresnahmerKontakt zuSchaukalauf,umihnalsMitarbeiter fürseineigenesZeitschriftenprojektWeg- warten zu gewinnen, das bereits im Titel die ästhetische Ausrichtung vorweg- nimmt. Auch Rilke wandte sich nicht allein deshalb an Schaukal, weil er eine gemeinsame poetologische Linie im lyrischen Schaffen vermutete, sondern vor allemwegen des erhofften Anschlusses anweitere deutschsprachige Zeitungen undZeitschriften. Schaukal zeigte sich im Briefwechsel gut informiert über das literarisch- verlegerische Feld inMünchen, in dem sichRilke bewegte, und bat ihn sogleich umdieVermittlungseines (dannverschollenen)RomansandenLangen-Verlag.395 391 Zit. nachWolfgang Leppmann: Rilke. Sein Leben, seineWelt, seinWerk. Bern/München 1993,S.70–71. 392 Vgl.denBriefRilkesanSchaukal, 5.Februar 1897,S-NL,WB. 393 Schaukal: [ohne Titel]. In: Brünner Sonntagszeitung, Nr. 33 (23.Mai 1897), S. 5; Fortset- zung in:BrünnerSonntagszeitung,Nr.35, (6. Juni 1897),S. 1–2. 394 Brod:Liliencron inPrag. 395 Vgl.denBriefRilkesanSchaukal, 17.Mai 1897,S-NL,WB. 7 PositionenundNetzwerkederNeuromantik 189
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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