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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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turjuden“ und „Snob“ bezeichnete.500 Schnitzler verband mit Wassermann ein zwiespältigesVerhältnis, demWerk traute er aber immerhinzu,dieVorstufe zum in Deutschland noch ausstehenden „großen Roman“ zu sein.501 Ins Kreuzfeuer von Schaukals Kritik gerieten desWeiteren der Literaturbetrieb im Allgemeinen sowie seineAffektiertheit.Dabei gerierte er sich ironisch-dialektischals„Phantast undBeamter“,der fast feudalsei,abereigentlichdochein„Anarchist“.502 Auch Schnitzler zeigte sich vom Kaffeehaustreiben mitunter angewidert: „Vertrage Griensteidl nicht; die Atmosphäre Kulka etc. deprimiertmich“, wet- terte er am 20. Februar 1892 gegen das Café und seine Besucher.503 Eventuell rührte daher eine gewisse Toleranz für den acht Jahre später umKontakt an- suchenden Schaukal, auchwenn Schnitzlers Anteilnahme für den dichtenden Beamten aus Mähren nicht sehr groß gewesen sein dürfte. Er antwortete mit unpersönlichen, im Verlauf der langsam versiegenden Korrespondenz immer knapperen Briefen. Die Zurückhaltung Schnitzlers mit einer divergierenden Kunstauffassung zu erklären, greift allerdings zu kurz. Zu einemwesentlichen Teil ist diemangelndeResonanzwohlaufSchaukalswüsten, selbstischenTon- fall zurückzuführen:Nachdemer sichumständlichals„Kritiker vor allem,bos- hafter Causeur,mit den verschiedenstenMenschen gut Freund und eigentlich niemandes Freund,Melancholiker ausAnlage, Sanguiniker aus Blut, sinnlich, ehrgeizigundallenEhrgeiz belächelnd, vor allemMenschderContenance, der Form,WeltmannausErziehung“ eingeführt hat, folgt die Litanei gegenRenate Fuchs: Muß ich Ihnen jetztWassermannsBuchnoch auseinanderlegen? Zeigen,wie unglaublich geschmacklos, lächerlich ungeschickt, stillos dieses Machwerk ist. Eine geschraubte, gewundene,mühsame,ächzende,stöhnendeDictionohneElan,ohneSchwung,ohneElas- tizität; vergebliches Bemühen um unbekannte Sphären, Geistreichelei aus d. Caféhaus [...].504 ThematischeParallelenundähnlicheEinflüsse zeigensich imTheaterschaffen, etwa inderAffinität beiderDichter zuWienerVorstadtkomödieundCommedia 500 Brief Schaukals an Schnitzler, 2.Mai 1901, in: Urbach (Hg.): Richard Schaukal–Arthur Schnitzler:Briefwechsel (1900–1902),S. 20 (RS3). 501 Brief Schnitzlers an Olga Gußmann, etwa 25. Juli 1900, in: Therese Nickl und Heinrich Schnitzler (Hg.):ArthurSchnitzler:Briefe 1875–1912.FrankfurtamMain1981,S.389. 502 Brief Schaukals an Schnitzler, 2. Mai 1901, in: Urbach (Hg.): Richard Schaukal–Arthur Schnitzler:Briefwechsel (1900–1902),S. 21 (RS3). 503 Schnitzler:Tagebuch.Bd.: 1879–1892,S.366. 504 Brief Schaukals an Schnitzler, 2. Mai 1901, in: Urbach (Hg.): Richard Schaukal–Arthur Schnitzler:Briefwechsel (1900–1902),S. 22 (RS3). 8 WienerNetzwerke 213
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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