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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
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bestimmbaresGefühl derUnsicherheit befällt auchHeinrich, denProtagonisten inSchaukalsErzählungMimiLynx (1904)währendeinerZugfahrt: UndzwischendenSpeichenseinerRedewandensichwindschnell dieGedanken,undan ihnenhielten sichdieGedankenüberdieGedankengeklammert, undwenner einwenig die Zügel seinesMonologs fallen ließ, hörte er das allesmit den feinenOhren seinesGe- wissensundfürchtetesichvordemWirrwarrseinerSeele.512 Form und Inhalt, die hypertrophe Syntax, Wortrepetitionen und die Aussage fallen in dieser Sequenz zusammen. Die Eisenbahn steht für die technisch be- dingte SelbstentfremdungdesmodernenMenschen.Wie Paul inRichardBeer- HofmannsDer TodGeorgs (1900) betrachtet auchHeinrich sein Leben aus der Distanz des Teilnahmslosen, der in „einer vollständigen Spaltung seinesWe- sens“auf seinHandelnblickt.513DieWelterfahrung ist lediglich eine Scheiner- fahrung, was die Auflösung traditioneller Ausdrucksformen impliziert und in der Literatur derWiener Moderne zu den eben dargestellten Verfahren neuer Ausdrucks(un)möglichkeiten inTextenwieLeutnantGustl,Mimi Lynx,DerTod GeorgsoderHofmannsthalsChandos-Brief führte. Schaukal verfasste um die Jahrhundertwende Texte, die durchaus als we- sensverwandtmit denWerken Schnitzlers, Hofmannsthals oder Beer-Hofmanns bezeichnet werden können. Im Sinne der engeren Kreisstruktur war Schaukal zwar kein Jung-Wiener, doch die ästhetisch-poetologischen und sozialen Bezie- hungen führten ihn in die Nähe dieses informellen Künstlerzirkels. Der Dichter besuchte das Café Griensteidl, wenn auchnicht regelmäßig undnur zu Beginn seiner Studienzeit, er stand in Kontakt mit Eduard Michael Kafka, Hermann Bahr,ArthurSchnitzlerundKarlKraus,wohlauchmitHugovonHofmannsthal, wie der Briefwechselmit Arthur Schurig verrät. Gewiss ist, dass er keine Einla- dungen von Richard Beer-Hofmann, Hofmannsthal oder Schnitzler zu ihren re- gelmäßigund imprivatenRahmenveranstaltetenVorlese-Nachmittagen erhielt, und er begleitete dieDichter auchnie in denPrater, ins Theater oder auf ihren AusflügenmitdemFahrrad. Schaukals literarische Position und seine geistige Nähe zum JungenWien werden durch die Publikationen in Pan und Die Insel, imModernen Musen- Almanach, Simplicissimus und Jugend deutlich, für die auch Hofmannsthal, BahrundFelixDörmannschrieben.DieZugehörigkeit kannvorallemwährend dervomliterarischen Jugendstil beeinflusstenPhasealskünstlerischeNähebei physischerDistanzbezeichnetwerden. Schaukal setzte sichmit ähnlichenkul- 512 Schaukal: Mimi Lynx. In: WE. Bd. 2: Um die Jahrhundertwende. München/Wien 1965, S.44–69,hierS.50. 513 Schaukal:MimiLynx,S.47. 216 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
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Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Title
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
Author
Cornelius Mitterer
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-061823-5
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
312
Categories
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