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der Satiriker spielt darin nur mehr eine untergeordnete Rolle. Der primÀre
Zweck des Textes liegt in Schaukals Positionierung als Literaturkritiker und
Ideologe.GegenĂŒberdemĂbersetzerRichardFlatterdrĂŒckte er inAnspielung
auf die politische Farbsemantik denWunsch aus, seinKrausmöge als âGelb-
buchâĂŒberdauern.âIchbinunschuldiganderTakt-undGeschmacklosigkeit,
dassmein Essay ĂŒberKraus als aufreizendesRotbuchâ âFackelânachahmung
[sic!]undSozibrandmalzugleichâherausgebrachtworden ist.â577
Aus einer informellen Institution, die Bourdieu alsmaĂgebliche Konstitu-
ente fĂŒr das kĂŒnstlerische Feld bezeichnete, blieb Schaukal letztlich ausge-
schlossen: aus dem Salon. Auch die Wiener Salons leisteten einen nicht
unwesentlichenBeitrag zurNetzwerkgenerierung. SiewurdenvonSalonnieren
wie Berta Zuckerkandl-Szeps (1864â1945), Josephine und Franziska vonWert-
heimstein (1820â1894 bzw. 1844â1907) oder Sophie von Todesco (1825â1895)
geleitet und erlebten Ende des 19. Jahrhunderts eine BlĂŒte.578 Josephine von
Wertheimstein entstammte der Familie Gomperz aus BrĂŒnn. Schaukal stand
mit ihremBruder, demUnternehmer Julius vonGomperz (1823â1909) undmit
einigenweiterenMitgliedernder Familie inBriefkontakt. Der Besuch eines Sa-
lons ist aber nicht bezeugt undhinsichtlich Schaukals despektierlicherGrund-
haltung auch kaum vorstellbar. Er konstruierte aus dem Konkurrenzkampf
mit jĂŒdischen Intellektuellen ein regelrechtes Narrativ, das er sogar in Briefen
anDichtermit jĂŒdischemHintergrundoder imFreundeskreis (zumBeispiel an
Schnitzlergerichtet) sounbeholfenwiewĂŒstzuPapierbrachte.Schaukal stellte
dabei einen Àsthetisch-autobiographischen Zusammenhang her zwischen den
Schwierigkeiten mit der Presse, seinen Angriffen auf den technischen âFort-
schrittâ und dem ârationalen, doktrinĂ€ren und mechanisch-materialistischen
Geist der Zeit und seinem fĂ€higstenAusdruckundVertreterâ, dem âinternatio-
nalenJudentumâ.579
Auf der anderen Seite stehen freundschaftliche Kindheitserinnerungen an
dieeinstigenKonkurrentenumdenKlassenvorrang,diezeigen,dassSchaukals
Antisemitismus insbesondere das literarische Feld betraf: âIn der Schule saĂ
ichvornunterden fleiĂigen Juden,mitdereneinemichvergebensumdenVor-
rang eiferte; ich blieb der Sekundus. [. . .] Unsrer Freundschaft hat der Wett-
streitnichtgeschadet, sie istheutenoch inHerzlichkeitaufrechtâ.580
577 BriefSchaukalsanFlatter,8. Juli 1933,S-NL,WB.
578 Vgl.Timms:DynamikderKreise,S.68â69; sowieMichaelSchulte:BertaZuckerkandl:Sa-
loniere, Journalistin,Geheimdiplomatin.ZĂŒrich2006.
579 Schaukal:BeitrĂ€gezueinerSelbstdarstellung,S.39â40.
580 Schaukal:BeitrÀgezueinerSelbstdarstellung,S. 52.
234 III Schaukal inNetzwerkenundFeldernderModerne
Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Title
- Richard Schaukal in Netzwerken und Feldern der literarischen Moderne
- Author
- Cornelius Mitterer
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Berlin
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-061823-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 312
- Categories
- Weiteres Belletristik