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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Einleitende Überlegungen20 das Malik-Verlagsumfeld und der Bund Proletarisch Revolutionärer Schriftstel- ler (BPRS) als weit über den deutschen Raum hinausstrahlende Vermittlungs- drehscheiben, insbesondere innerhalb der linken Kultur- und Politdiskurse. Der im Ansatz hegemoniale Anspruch sollte jedoch nicht darüber hinweg- täuschen, dass sich auch im Österreich der Zwischenkriegszeit ein erstaunlich vitales Spektrum eigenständiger Rezeptionsschienen seit 1918/19 entwickelt hat, gestützt auch auf eine breite publizistische Begleitung. Erinnert sei hier nur an die Anthologie Rossija. Russlands Lyrik in Uebersetzungen und Nachdichtungen (1920), die unter anderem Texte von Blok, Bunin, Gorodetzkij und Ssasonow brachte und einen Nachfolgeband Revolutionslyrik ankündigte.23 Vor allem aber war hier der politisch-kulturelle Hintergrund für zum Teil sehr grundlegende Debatten (Rätesystem, Demokratie und proletarische Diktatur, Austromarxis- mus, proletarische Erziehung und Lebenskultur) aufgrund der profunden Dif- ferenzen zum Kräfteverhältnis innerhalb der Linken in der Weimarer Republik ein völlig anderer. Dies alles gewährte der in sich vielfältig ausdifferenzierten Kulturpolitik des (sozialdemokratisch-austromarxistischen) „Roten Wien“ seit Anfang der 1920er Jahre trotz ungünstiger Rahmenbedingungen ganz andere Spielräume, aber auch, gestützt auf eine reale Machtbasis in Wien und in einigen anderen industriellen Zentren (Linz zum Beispiel), konkretere Gestaltungsmög- lichkeiten als dies in Berlin oder anderswo in der Weimarer Republik denkbar gewesen wäre. Dass diese Gestaltungsmöglichkeiten nicht gleichzusetzen sind mit einem ausgeprägten, kontinuierlichen oder gar programmatischen Interesse an der Rezeption sowjetischer Kunst und Kultur, steht auf einem anderen Blatt. Vielmehr entwickelten sich fast gleichzeitig Formen der Abwehr wie der Rezep- tion und Adaption. Man denke nur an die programmatische Distanz zur Pro- letkult-Bewegung in den publizistischen Foren der SDAPÖ (Arbeiter-Zeitung, Bildungsarbeit, Der Kampf, Kunst und Volk) einerseits und die gleichzeitige Aus- bildung proletarischer Sprechchor-Stücke oder die Wirkung der Kerschenzew- Schrift Das schöpferische Theater (1922) auf die jüngere sozialdemokratische Parteilinke und deren Projekte rund um die Zeitschrift Politische Bühne (siehe J.  Doll) andererseits. Auch die Versuche der Popularisierung des russisch-sow- jetischen Films, insbesondere durch Fritz Rosenfeld, sowie die Begegnung Leo Lanias mit der Filmästhetik von Dziga Vertov oder dem Bühnenwerk Tretjakows ist in diesem ambivalent-produktiven Horizont zu sehen. Das hier anskizzierte 23 Vgl. Karl Roellinghoff (Hg.):  Rossija. Wien–Prag–Leipzig:  Strache 1920; zit. nach:  E. A. Rheinhardt (Hg.):  Die Botschaft. Neue Gedichte aus Österreich. Wien– Prag–Leipzig:  Strache 1920, S.  353–356.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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