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Julia
Köstenberger34
Isolation (1918–1924); 2. Hochblüte (1925–1929); 3. Höhepunkt 1928; 4. Krise
(1930–1932); 5. Zusammenbruch (1933–1938).
1 Überwindung der Isolation (1918–1924)
Intervention und Bürgerkrieg in Sowjetrussland bedeuteten für den politisch
isolierten kommunistischen Staat den faktischen Abbruch der kulturellen und
wissenschaftlichen Beziehungen mit der Außenwelt bis 1921.3 Für die Etablie-
rung von neuen Kontakten abseits der Politik spielte die Hilfskampagne zur
Bekämpfung der Hungersnot in Sowjetrussland 1921/22 eine große Rolle.4
Der Hilfsappell des Schriftstellers Maksim Gor’kij an die Weltgemein-
schaft von Mitte Juli 19215 stieß im krisengeschüttelten Österreich auf wenig
Widerhall – vor allem aufgrund politischer Vorbehalte; in den ersten Monaten
sammelten nur die Arbeiterparteien KPÖ und SDAPÖ Spenden für die „Russ-
landhilfe“.6 In diesem Zusammenhang organisierte die KPÖ im August 1921 die
erste Ausstellung zur russischen Plakatkunst in Wien,7 beteiligte sich an Kam-
pagnen des Auslandskomitees zur Organisierung der Arbeiterhilfe für die Hun-
gernden in Russland in Berlin8 und gab Broschüren heraus, in denen die Not
in Sowjetrussland und gleichzeitig der Aufbau des neuen politischen Systems
(und die Schwierigkeiten dabei) beschrieben wurden.9 Erst nach dem erschüt-
ternden Bericht Fridtjof Nansens im Völkerbund während der ersten Sitzung
des Internationalen Hilfsausschusses für Russland Ende Jänner 1922 und der
3 Vgl. A.E. Ioffe: Meždunarodnye svjazi sovetskoj nauki, techniki, kul’tury. 1917–1932.
Moskva: Nauka 1975, S. 39–64.
4 Vgl. Ol’ga D. Kameneva:
Dva goda kulturnoj sbliženija s zagranicej. Sbornik materialov
pod redakciej O.D. Kamenevoj. Moskva: Vsesojuznoe obščestvo kul’turnnoj svjazi s
zagranicej 1925, S. 8f.
5 Vgl. z.B.
den Abdruck in:
Neue Freie Presse [fortan:
NFP] (16.7.1921, Abendblatt), S.
2.
6 Vgl. GARF R-1064/6/1, 14–16: Bericht über die Hilfsaktion in Österreich, 1.11.1921.
7 Vgl. N.N.: Ausstellung russischer Original-Bildplakate [Ankündigung]. In: Die
Rote Fahne (19.8.1921), S. 8; F.R.: Ausstellung russischer Bildplakate. In: ebd.
(21.8.1921), S. 3.
8 Aus dem zunächst überparteilichen, im August 1921 gegründeten Auslandskomitee
entstand die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) (vgl. Georg Dünninghaus: 10 Jahre
Internationale Arbeiterhilfe Deutschland. Berlin:
Reichssekretariat der Internationalen
Arbeiterhilfe [o.D., ca. 1931], S. 6).
9 Vgl. z.B. Leopold Maresch: Das große Sterben an der Wolga. Tagebuchskizzen eines
Kommunisten. Wien:
Kommissionsverlag der Arbeiterbuchhandlung 1922; vgl. dazu
die Besprechung: Paul Friedländer: Das große Sterben an der Wolga. In: Die Rote
Fahne (23.3.1922), S. 4.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur