Page - 346 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Image of the Page - 346 -
Text of the Page - 346 -
Vera
Faber346
Welt“ im Wiener Verlag Anton Schroll herausgegeben wurde. In der interna-
tional stark rezipierten Reihe erschienen des Weiteren Ėl’ Lisickijs Rußland.
Die Rekonstruktion der Architektur in der Sowjetunion, ein Buch über die zeit-
genössische Architektur in Frankreich, ein Jubiläumsband anlässlich des 60.
Geburtstages von Adolf Loos sowie die offizielle Publikation zur Wiener Werk-
bundsiedlung. Abgesehen vom Erscheinungsort weisen die meisten dieser Bände
jedoch keinen Österreichbezug auf.
Neutra sollte insgesamt der einzige Architekt österreichischer Provenienz
bleiben, der in der Sowjetunion eine breitere Rezeption erfuhr, wiewohl fast aus-
schließlich mit seinem amerikanischen Werk. Der von David Arkin 1932 her-
ausgegebene Band Zeitgenössische Architektur des Westens (russ. Architektura
sovremennogo zapada) stellte eine der letzten sowjetischen Auseinandersetzun-
gen mit dem westeuropäischen Konstruktivismus dar, bevor noch im selben Jahr
die Aktivitäten der sowjetischen Avantgarde endgültig unterbunden wurden.
Arkins Band setzt sich ausführlich mit dem Werk von Le Corbusier, Gropius,
Frank Lloyd Wright, Hilbersheimer, May, Oud, Taut und anderen westeuropäi-
schen Architekten auseinander und enthält auch ein eigenes Kapitel zu Richard
Neutra. Ein von Neutra verfasster vierseitiger Beitrag ist aus dessen Wie baut
Amerika? entnommen und präsentiert unter dem Titel Einige Besonderheiten
der amerikanischen Architektur (russ. Nekotorye osobennosti amerikanskoj archi-
tektury) Bauten und Projekte aus New York, Chicago und Los Angeles.68 Der
Herausgeber betont den Einfluss des amerikanischen Architekten Frank Lloyd
Wright, mit dem Neutra eng zusammengearbeitet hat, lässt allerdings die ebenso
wichtige Prägung durch die österreichische Architektur unerwähnt. In der Ana-
lyse der Ursprünge des „Neuen Bauens“ bezieht sich Arkin sehr wohl auf die
österreichische Architektur, betrachtet diese jedoch mit großer Skepsis: Adolf
Loos und Otto Wagner werden zwar als wichtige Wegbereiter des „Neuen Bau-
ens“ anerkannt, ihr Stil jedoch aufgrund seines imperialistischen Impetus dis-
kreditiert.69
6 Resümee
Obwohl in der Zwischenkriegszeit eine relativ rege Vernetzung österreichi-
scher Architekten mit Deutschland und den USA bestand, lassen sich nach
68 Vgl. Richard Nejtra [Richard Neutra]:
Nekotorye osobennosti amerikanskoj architek-
tury [Einige Besonderheiten der amerikanischen Architektur]. Ins Russische über-
setzt von E.B. Ėjchengol’c. In: Arkin, Architektura sovremennoj zapada, S. 118–125.
69 Vgl. Arkin, Architektura sovremennoj zapada, S. 40.
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur