Page - 351 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Image of the Page - 351 -
Text of the Page - 351 -
Veronika Hofeneder
Revolution und Literatur. Russland-Diskurse
in der Zeitschrift Sowjet
Abstract: Subject of this essay is the reconstruction of the communist propaganda maga-
zine Sowjet (1919–22) and the participation of a famous author like Gina Kaus in its quite
heterogeneous literary-feuilletonistic sections. Her unfinished novel Der Altar traces in
this context interesting shifting processes from early radical positions to more moderate
and more suitable strategies of political and cultural discussions.
Die Zeitschrift Sowjet erschien in vier Jahrgängen von Mai 1919 bis Dezember
1922 und war grundsätzlich als kommunistische Propagandaschrift konzipiert.
Die ersten beiden Jahrgänge gab der Schriftsteller und Individualpsychologe
Otto Kaus in der Wiener Verlagsgenossenschaft Neue Erde heraus;1 ab dem
dritten Jahrgang, Mai 1921, fungierte Paul Levi als Herausgeber, der erst kurz
zuvor wegen seiner scharfen öffentlichen Kritik an der KPD aus der Partei aus-
geschlossen worden war.2 Von der damit einhergehenden programmatischen
Neu-Justierung wird abschließend noch kurz die Rede sein. Die nachfolgen-
den Ausführungen konzentrieren sich nämlich vor allem auf den ersten Jahr-
gang, erschienen zwischen Mai 1919 und August 1920: auf jene Phase, in der
die Zeitschrift Sowjet dem Selbstverständnis gemäß (auch) als Kulturzeitschrift
einzuschätzen ist, die ihrem Leserkreis kulturelle Themen sowie Kunst und Lite-
ratur – auch in Form eigenständiger literarischer Beiträge – vermitteln wollte.3
In ihren Anfängen war die Zeitschrift im geistigen Umfeld des Verlagsunter-
nehmens Neue Erde positioniert,4 dem wie vergleichbar auch der von unter
1 Der zweite Jahrgang (September 1920 – Februar 1921) erscheint dann im Berliner
A. Seehof Verlag.
2 Vgl. Hermann Weber/Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches
Handbuch 1918 bis 1945. Berlin: Karl Dietz 2004, S. 452f., hier S. 452.
3 Zu den Spezifika von Kulturzeitschriften vgl. Gustav Frank, Madleen Podewski, Stefan
Scherer:
Kultur
– Zeit
– Schrift. Literatur- und Kulturzeitschriften als „kleine Archive“.
In:
IASL, H.
2/2010, S.
1–45, bs. S.
16–34; Georg Jäger:
Zeitschriften. In:
Georg Jäger
(Hg.):
Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20.
Jahrhundert. Bd.
1:
Das
Kaiserreich 1871–1918. Teil 2. Frankfurt a.M.: De Gruyter 2003, S. 368–522.
4 Vgl. Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Bd. 2: Belletris-
tische Verlage der Ersten Republik. Wien u.a.:
Böhlau 1985, S.
159; Hildegard Atzin-
ger:
Gina Kaus:
Schriftstellerin und Öffentlichkeit. Zur Stellung einer Schriftstellerin
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur