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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Veronika Hofeneder360 von Sonnenschein, das denselben Inhalt auf lyrischer Ebene kommuniziert, zu finden.35 Hintergrund dafür ist der Appell zahlreicher europäischer Arbeiter- parteien, am 21.  Juli  1919 Protestaktionen gegen die Versailler Friedensverträge zu organisieren und damit Unterstützung und Solidarität mit Sowjetrussland zu demonstrieren. Für den grenzüberschreitenden Versöhnungsaufruf wird bei Sonnenschein zwar auch die brachiale Metaphorik von Feuer und Blut bedient, bestimmend ist aber der Rückgriff auf grundlegende humanistische Werte: Seid gut in dem Bewußtsein eurer Kraft und Sendung, Seid Menschen und versöhnet euch.36 Die Folgen des Friedens von Versailles werden zudem in einem Artikel von Otto Kaus37 thematisiert, der der österreichischen Sozialdemokratie, insbeson- dere ihrer Führergestalt Otto Bauer, ein Erstarken der „Reaktion“ vorwirft; in Deutschland dahingegen habe die territoriale Neuaufteilung nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Wiedererwachen der revolutionären Kräfte geführt. Zwar rechnet Kaus hiermit auf verbaler Ebene mit seinem Lieblingsfeind Bauer und mit dem gemäßigten Kurs der österreichischen Sozialdemokratie ab, tatsächli- che Aufforderungen zu Gewalt und Revolution unterbleiben aber. Die österrei- chische Unlust zu organisiertem Streikverhalten kritisiert auch der Arbeiterrat Wilhelm Bass in seinem Bericht über Verhandlungen bezüglich Kollektivvertrag und Lohn im Gastgewerbe, der das laxe Engagement der Gewerkschaft sowie die Hetze in der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung in dieser Sache beklagt.38 Die übrigen Beiträge des Heftes widmen sich dann weniger konkret-poli- tischen Themen:  So legt der Psychoanalytiker Otto Gross als Verfechter des Mutterrechts in der Tradition Johann Jakob Bachofens  – laut Titel  – „Die kom- munistische Grundidee in der Paradiessymbolik“ dar. Gross setzt sich für die Freiheit und Gleichberechtigung der Frauen ein und befürwortet neue Bezie- hungsformen, frei von Zwang und Gewaltanwendung. Ehe und Familienbindung lehnt er als „Konsequenz des Sündenfalls“39 ab, da diese auf der Unterwerfung 35 Es wurde bereits in der tschechischen kommunistischen Zeitschrift Červen publiziert und später mit leicht verändertem Text als Feierabend in:  Hugo Sonnenschein:  Auf- ruhr und Macht zu Freiheit. Wien:  Verlag der Arbeiter-Buchhandlung 1921, S.  28f. 36 Ders.:  21.  Juli  1919. In:  Sowjet, H.  2/1919, S.  72. 37 Otto Kaus:  Deutsch-Österreichische Reaktion. In:  ebd., S.  4–12. 38 Vgl. Wilhelm Bass:  Die Lohnbewegung der gastgewerblichen Arbeiter. In:  Sowjet, H.  2/1919, S.  27–34. 39 Otto Groß [d.i. Otto Gross]:  Die kommunistische Grundidee in der Paradiessymbolik. In:  ebd., S.  12–27, zit. S.  16. Fettdruck im Original.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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