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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Russische Literatur in der Roten Fahne 373 1 Die Rote Fahne im August 1921 Beginnen wir die Sichtung des Materials also im Jahre 1921, als Aleksandr Blok am 7.  August in Petrograd  – dem ehemaligen St. Petersburg und künftigen Lenin- grad  – im Alter von lediglich vierzig Jahren verstirbt. Drei Tage später findet sich in der Roten Fahne in der Rubrik „Vom Tage“ eine knapp gehaltene Notiz darüber,10 in der Blok als einer der bekanntesten Dichter der letzten Generation bezeichnet wird, dessen auch ins Deutsche übersetztes Revolutionsgedicht Zwölf (im russischen Ori- ginal:  Dvenadcat’) ihn besonders populär gemacht habe. Auffallend ist hier die Ver- engung der Rezeption auf einen Text, mit dem sich Blok in durchaus ambivalenter Weise mit dem in seiner Wahrnehmung viel eher als eschatologisch-apokalyptische Wende denn als politisches Ereignis zu fassenden Revolutionsgeschehen auseinan- dergesetzt hat. Zwölf sollte auch späterhin ein zentrales Moment für die Aufnahme Bloks im deutschen Sprachraum bleiben;11 die verschiedenen Übersetzungen des metrisch und motivisch überaus komplexen Poems, wie z.B.  von Johannes von Guenther aus dem Jahr 1947 oder von Paul Celan aus dem Jahr 1958, legen davon nachdrücklich Zeugnis ab.12 Die weitere Berichterstattung zur russischen Literatur stand im August 1921 zur Gänze im Zeichen zweier politisch, aber auch literarisch völlig gegensätz- licher Autoren, nämlich Maksim Gor’kijs und Dmitrij Merežkovskijs. Aus- gehend von dem bereits um die Jahrhundertwende starken Interesse für das Werk, aber auch die Biographie Gor’kijs13 bringt die Rote Fahne zwischen dem 10 N.N.:  Vom Tage. Der Dichter Alexander Block gestorben. In:  RF (10.8.1921), S.  6. 11 Der Bericht in der Roten Fahne konnte sich auf gleich zwei vorangehende Übersetzun- gen des Poems von Arnold Ulitz (diese unter dem Titel Die Ballade der Zwölf) und von Reinhold von Walter stützen, die bereits 1920 erschienen waren; 1921 folgte eine wei- tere Übertragung des Poems von Wolfgang E.  Groeger, vgl. M[argarete]. Baade:  Zur Aufnahme von Aleksandr Bloks Poem „Die Zwölf“ in Deutschland. In:  Zeitschrift für Slawistik, Nr.  2/1964, S.  175–195, hier S.  179, bzw. Nr.  4/1964, S.  551–573. 12 Vgl. die Übertragung von Guenthers in Alexander Block:  Die Zwölf. Ausgewählte Dichtungen. Übertragung u.  Nachwort v.  Johannes von Guenther. Stuttgart:  Reclam 1966, S.  3–15; die Übertragung Celans in Paul Celan:  Gesammelte Werke. Bd.  5. Frankfurt a.M.:  Suhrkamp 1986, S.  11–45. Zu Celans Auseinandersetzung mit Bloks Poem vgl. Christine Ivanović:  Das Gedicht im Geheimnis der Begegnung. Dichtung und Poetik Celans im Kontext seiner russischen Lektüren. Tübingen:  Max Niemeyer 1996, S.  159–177. Eine weitere Übersetzung der Zwölf von Alfred Edgar Thoss findet sich:  in Alexander Block:  Kreuzwege. Gedichte und Poeme. Ausgewählt u.  hg. von Alexander Kluge. München:  Heyne 1984, S.  94–106. 13 Vgl. Ilse Idzikowski/Gerhard Schwarz:  Entwicklung und Wandel des Goŕkij-Bildes in Deutschland 1899–1965. In:  Maxim Gorki in Deutschland. Bibliographie 1899
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹