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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Martin Erian396 Fläche Erde frei, frei von allen Schmarotzern und Blutsaugern; von den kapita- listischen Profithyänen.“34 2 „Hier ist alles entweder vorgestrig oder schon von übermorgen“35  – Reiseberichte aus Sowjetrussland Der von Maier formulierte Wunsch, den „grandiosen Fünfjahrplan ganz von der Nähe zu sehen“,36 ließ sich durch diese Reise erfüllen; in der Presse erreichte die Anzahl an Berichten aus der Sowjetunion Ende der Zwanziger ihren Höhe- punkt  – und das nicht nur im linken Spektrum. Hervorzuheben für die Wiener Publizistik ist Stefan Zweigs in sechs Teilen in der Neuen Freien Presse im Herbst 1928 abgedruckter Bericht „Reise nach Rußland“, der abseits des wirtschaftlichen Aufbaus das kulturelle Leben in der Sowjetunion zeigt.37 Wenig überraschend wurde die unvoreingenommen positive Haltung des bürgerlichen Schriftstel- lers in der Roten Fahne überaus wohlwollend aufgenommen und der Text in gekürzter Form neuerlich abgedruckt. Der abschließende Kommentar Zweigs erfuhr dabei, anders als im Original, eine Hervorhebung:  „Als entscheidender Eindruck bleibt:  wir haben alle unbewußt oder bewußt an Rußland ein Unrecht getan und tun es noch heute. Ein Unrecht durch Nichtgenugwissen, Nichtgenug- gerechtsein.“38 Dieses impliziten Auftrags nahm sich die Rote Fahne an und gestaltete das Feuilleton zunehmend als Surrogat für Russlandreisen. Begünstigt wurde die Präsentation sowjetrussischer Realitäten Ende der Zwanziger nicht zuletzt durch entsprechende organisatorische Unterstützung aus Moskau selbst. Blie- ben die Kommunisten in der 1925 gegründeten Österreichischen Gesellschaft zur Förderung der geistigen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der UdSSR, die eng mit der Moskauer Gesellschaft für kulturelle Verbindung der UdSSR mit dem Ausland (VOKS) kooperierte, stark unterrepräsentiert, so sollte der 1929 nach Berliner Vorbild geschaffene Bund der Freunde der Sowjetunion als 34 Ebd. 35 Otto Heller:  Fahrt durch die Sowjetunion. In:  RF (17.8.1930), S.  7 36 Hans Maier:  Unsere Reise ins Land der Towarischi. In:  RF (4.1.1931), S.  7. 37 Vgl. Julia Köstenberger:  „Ich bin glücklich alles gesehen zu haben …“  – Stefan Zweig bei den Tolstoj-Feierlichkeiten in der UdSSR 1928. In:  Verena Moritz u.a. (Hgg.):  Gegenwelten. Aspekte der österreichisch-sowjetischen Beziehungen 1918– 1938. St. Pölten:  Residenz 2013, S.  261–274. 38 Stefan Zweig:  Reise nach Rußland. In:  RF (11.1.1928), S.  10f., zit. S.  11.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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