Page - 405 - in Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Image of the Page - 405 -
Text of the Page - 405 -
Natalia Blum-Barth
Schreiben zwischen Fakten und Fiktion?
Das Russlandbild bei Alja Rachmanowa
Abstract: The contribution deals with the emigrated Russian novelist Alja Rachmanova
who was married to a former official of the Austrian army and a prisoner of war. Her trilogy
about the (post-)revolutionary ‘Red Terror’ advanced to a successful editorial event of anti-
bolshevist writing, especially the volume Die Milchfrau von Ottakring (1932). The texts
re-discuss key concepts like “New Man” in the context of the everyday violence experience.
1 Kontextualisierung
Neben Fёdor Stepun und Vladimir Lindenberg nannte Wolfgang Kasack in
seiner Geschichte der russischen literarischen Emigration als SchriftstellerIn-
nen der ersten Emigrationswelle, die einen „besonders starken Einfluß auf das
Denken in Deutschland ausgeübt hatten, wenn man die Zahl der Bücher und
das Wirken in Vorträgen als Maßstab wählen kann“, auch Alja Rachmanowa.1
Hinter dem im österreichischen Exil zum Schutz ihrer in Russland verbliebenen
Verwandten gewählten Pseudonym verbirgt sich Galina Djurjagina,2 die 1898
in Kasli im Ural in eine großbürgerliche Familie geboren wurde. Im post-re-
volutionären Sowjetstaat heiratete Rachmanowa den aus Salzburg gebürtigen
Englischlektor Arnulf von Hoyer, der das Kriegsgefangenenlager überlebt hatte.
1922 wurde der Sohn Jurka geboren, 1925 die kleine Familie ohne Angabe von
Gründen aus der Sowjetunion ausgewiesen. In Wien verdiente Rachmanowa,
selbst Akademikerin, den Lebensunterhalt für die Familie als Milchfrau, bevor
von Hoyer in Salzburg eine Stelle als Lehrer antrat und Rachmanowa spätestens
mit der Veröffentlichung von Milchfrau von Ottakring. Tagebuch einer russischen
Frau (1932) als drittem Band einer Trilogie zu einer Erfolgsautorin avancierte,
1 Wolfgang Kasack: Die russische Schriftsteller-Emigration im 20. Jahrhundert. Bei-
träge zur Geschichte, den Autoren und ihren Werken. München:
Verlag Otto Sagner
1996, S.
24.
2 Zur Vita Rachmanowas vgl. N.N.: Alja Rachmanowa. Online unter: http://www.
salzburg.com/wiki/index.php/Alja_Rachmanowa (letzter Zugriff:
12.3.2017); Renate
Wagner: [Rezension v.] Ilse Stahr: DAS GEHEIMNIS DER MILCHFRAU VON
OTTAKRING. Online unter: http://der-neue-merker.eu/ilse-stahr-das-geheimnis-
der-milchfrau-in-ottakring (letzter Zugriff: 12.3.2017).
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Title
- Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
- Subtitle
- Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
- Author
- Primus-Heinz Kucher
- Editor
- Rebecca Unterberger
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-631-78199-9
- Size
- 14.8 x 21.0 cm
- Pages
- 466
- Category
- Kunst und Kultur