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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Natalia Blum-Barth418 Gewalt enthalten habe müssen.29 Dass die Sirenen der Fabrik immer wieder zu unmöglichen Zeiten heulen, erklärt sich die Ich-Erzählerin in Studenten, Liebe, Tscheka und Tod folgenderweise:  „Ich glaube, die Towarischtschi wollen einfach die Bevölkerung in Angst und Schrecken halten.“ [245] Die Angst wird zudem zum Mittel, die Herrschaft der Bolschewiken zu nobilitieren, denn der Glaube an die Allmacht der neuen Ideologie soll den Glauben an Gott und die Auto- rität der Kirche ersetzen. Die Furcht vor Gott soll der Angst vor der Totalität des bolschewistischen Regimes weichen. In diesem Zusammenhang ist auch die Verfolgung der Kirche, das Verbot der Religion und die Ausrottung der christ- lichen Tradition zu sehen:  Kommunismus ist die neue Religion, und Stalin der neue allmächtige Götze.30 4 Ideologie der (Selbst)Zerstörung Die Trennung von Kirche und Staat (1918), die Konfiszierung des Kirchengutes (1922), das Verbot „religiöser Propaganda“ und religiöser Bildung (1929) sind nur einige Schritte des herrschenden Regimes, das sich zum Ziel gesetzt hat, das religiöse Leben in der Sowjetunion im Zeichen einer umfassenden Modernisie- rung auszulöschen.31 An eben diesen „Reformen“ übt Alja Rachmanowa Kritik, zum Beispiel im nachfolgenden Gespräch zwischen dem Geistlichen Alexander Ljuperssolski und einem Dozenten: „Die Bolschewiken wollen einen Feldzug gegen die Kirche beginnen“, sagte er [der Geistliche]; „wird die Seele des russischen Volkes genügend Widerstand leisten? Man will die Religion als eine unnütze Lebensform abschaffen, man will die Kinder in athe- istischem Geiste erziehen … […]“ „Bald wird es in den Kirchen leer sein“, meinte der Dozent; „ich habe gehört, die Bol- schewiken wollen die Kirche vom Staat trennen.“ [246] Mit der Zerstörung der institutionellen Grundlage für die Existenz religiöser Gemeinschaften ging der Kampf gegen das religiöse Bewusstsein einher, der in Form propagandistischer „Aufklärung“ ausgetragen wurde. Marx’ Postulat, 29 Vgl. Plaggenborg, Gewalt im Stalinismus, S.  201f. 30 Vgl. auch:  Alja Rachmanowa:  Die Fabrik des neuen Menschen. Salzburg:  Anton Pustet 1935. Rachmanowas Schilderungen korrespondieren durchaus mit historischen For- schungen wie beispielsweise:  Stefan Plaggenborg:  Revolutionskultur. Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjetrussland zwischen Oktoberrevolution und Stalinismus. Köln:  Böhlau 1996. 31 Vgl. dazu u.a.:  Christoph Gassenschmidt/Ralph Tuchtenhagen (Hgg.):  Politik und Religion in der Sowjetunion 1917–1941. Wiesbaden:  Harrassowitz 2001.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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