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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Das Russlandbild bei Alja Rachmanowa 421 Inhumanität, Erbarmungslosigkeit und Barbarei, die den Umgang der Menschen untereinander prägen. Unsicherheit, Angst, Missgunst, Habgier, Niedertracht bemächtigen sich der Menschen, machen sie verletzlich und angreifbar:  „Wir sprechen immer nur im Flüstertone, denn wir fürchten, selbst in den gleich- gültigsten Gesprächen könnte man etwas Konterrevolutionäres finden.“ [305] Was Rachmanowa hier anspricht, gerät rasch zu einem perfiden Merkmal des Kommunismus und versetzt das ganze Land in Angst und Schrecken:  Denun- ziationen. Baberowski bezeichnet Denunziation als eine Waffe, „mit der die Untertanen sich der Feinde des Alltags erwehrten, sie gab der Bevölkerung die Möglichkeit, den strafenden Arm des Staates für eigene Interessen zu instru- mentalisieren.“40 Rachmanowa veranschaulicht, dass die Besessenheit von kommunistischen Überzeugungen Menschlichkeit und Humanität ausrottet. Die Machtergreifung der Bolschewiken wird als Untergang der Kultur dargestellt: Der Russe wird  – angenommen, daß sich die Träume der Bolschewiken erfüllen  – viel- leicht die größten Kraftwerke, die schnellsten Eisenbahnen und die meisten Aeroplane haben, aber er wird ein Tier sein. Das hundertprozentig durchtechnisierte Tier, das ist das Ideal, das denen vorschwebt, die jetzt den russischen „Menschen“ formen, indem sie „das Menschliche“ in ihm vernichten.41 Der technische Fortschritt des Bolschewismus wird um den Preis erreicht, dass das Geistige aufgegeben wird. Die Autorin bezeichnet den Sieg des Bolschewis- mus als Rückstand ihres Landes und als Gefahr für Andersdenkende: Die Bolschewiken sind an der Macht. Es ist eine schwere Aufgabe, Prophet zu sein; aber ich glaube, der Tag, an dem die Bolschewiken die Macht in die Hand genommen haben, ist der Todestag der russischen Intelligenz. Wir müßten eigentlich unsere Siebensachen zusammenpacken und ins Ausland emigrieren. Hier in Rußland haben wir nichts mehr zu suchen. Oder es ist noch ein Ausweg … Sich mit der bolschewistischen Strömung vereinigen, sich geistig erniedrigen, vergröbern, geistig und physisch wieder zu Primi- tiven zu werden …“ [240]42 Kommunismus  – Unterdrückung, Verbrechen und Terror. München:  Piper Ver- lag 2004. 40 Ebd., S.  118. 41 Alja Rachmanowa:  Ehen im roten Sturm. Tagebuch einer russischen Frau. Mün- chen:  [Paul List] 1979, S.  244. 42 Eine ähnliche Vision des durch die Bolschewiken verschuldeten geistigen Verfalls in Russland findet sich auch in Ehen im roten Sturm:  „Es wird bald die Zeit kommen, in der solche Bücher, wie Sie sie hier aufgestapelt haben, in Rußland so unverständ- lich sein werden wie eine Beethovensonate einem Zulukaffer. Politik, Technik und Medizin, das sind die einzigen Wissensgebiete, die übrigbleiben werden. In fünfzig
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹