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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Ester Saletta432 Wiener Neuesten Nachrichten („Historie im Nachthemd und Unterhosen“32) bei- pflichteten, gefolgt von weiteren Blättern wie der Badener Zeitung, dem Wiener Salonblatt und anderen mehr. Nur Julius Bauer fand im Morgen lobende Worte für die Art und Weise, in der die Komödie „mit der Weltgeschichte in frech-wit- ziger Weise Schindluder getrieben“ habe:  „Es ist ein starkes Stück“, das nicht nur Frivolitäten inszeniere, sondern auch das tabuisierte Thema der Homosexuali- tät anhand der Figur des Grafen Lanskoi aufgreife. Nicht ohne Grund habe am Ende das Publikum den Autor „wiederholt vor den Vorhang“ gerufen.33 Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ die Komödie dagegen auf Otto Koenig in der Arbeiter-Zeitung, wobei dieser an das Messalina-Bild anknüpfte und eine „quä- lende Langeweile“ ausmachte, sowie auf Otto Stoessl in der Wiener Zeitung.34 Die Neue Freie Presse dagegen äußerte sich überhaupt nicht, das Prager Tagblatt, sonst aufmerksam das Lustspiel-Programm der Wiener Bühnen verfolgend, gab nur einen knappen, aber wohlwollenden Kommentar zur Pariser Uraufführung ab, und im Neuen Wiener Tagblatt hielten sich Kritik und Anerkennung in etwa die Waage.35 Auffallend an in diesen Kritiken ist, sieht man von jener Moritz Scheyers für das Neue Wiener Tagblatt ab, dass die Weiblichkeits- und Gender- Images, welche die (kultur-)geschichtliche Rezeption mitgeprägt haben, entwe- der konventionelle Sexualisierungsparameter aufriefen oder kaum ins Gewicht fielen. Mit Gina Kaus’ Roman Katharina die Grosse (1935) sollte sich dies, zumindest auf der Textebene, ändern, denn die zeitgenössische Rezeption hielt sich in engen Grenzen. Katharinas männlich-weiblich konturierte Gender-Identität zeigt sich 32 St.:  Französische „Budapester“ in Wien. In:  Neueste Wiener Nachrichten (22.12.1930), S.  8. 33 Vgl. Julius Bauer:  Elisabeth von Rußland. In:  Der Morgen (22.12.1930), S.  4. 34 O[tto] K[oenig]:  Die lange Katharina. In:  Arbeiter-Zeitung (21.12.1930), S.  17; Otto Stoessl:  Das Burgtheaterjahr. In:  Wiener Zeitung (5.7.1932) S.  1–2 [mit Akzent auf den Charakter einer „Kommerzware“]. Vgl. auch:  Moritz Scheyer:  Die kleine Katharina. In:  Neues Wiener Tagblatt (21.12.1930), S.  14 [Savoir habe „aus Katharina der Großen eine kleine, sehr kleine Katharina gemacht“; es sei eben „nicht jedem gegeben, ein Shaw-Stück zu machen“. Anerkennend strich Scheyer heraus, dass Katharina, „noch ehe sie Zarin wurde, […] ihre Schwächen [hatte], ohne dadurch schwach zu wer- den:  im Gegenteil“ und dass es auch diesen Schwächen zu danken sei, dass Katharina eine „Überfrau“ werden konnte]. 35 Vgl. Eigo:  Pariser Theaterherbst. In:  Prager Tagblatt (14.12.1930), S.  8:  Es werde „in höchst geistvoller und vor allem amüsanter Weise der neckische Versuch unternom- men, die große Zarin in ihrer Jugend als ein wahres Goldherzchen zu schildern, das sich nur aus unglücklicher Liebe in die Liebesabenteuer stürzt“.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹