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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ - Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
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Ester Saletta434 dank der Regentin Elisabeth ihre gespaltene Gender-Identität gut auszubalan- cieren, indem sie sich an jener Elisabeths orientiert.40 Für Kaus diszipliniert Katharina ihre tendenziell autoritär-männlich orien- tierte Natur, die sie im Privaten fast amphytrionisch mit ihren Liebhabern abwechselnd in der Rolle der eifersüchtigen Herrin, eines bezaubernden Mäd- chens oder einer launischen Besitzerin auslebt. Zudem inszeniert sie eine weib- lich-milde Hilfsbereitschaft, die sie in der Öffentlichkeit Leidenden und Armen gegenüber wirksam zur Schau stellt: Immer war neben ihrer Sinnlichkeit etwas Warmes, Mütterliches in ihrer Neigung oder auch etwas von der Art antiker Liebender:  sie hat ihre Günstlinge verhätschelt, bewun- dert, verklärt, und hat gleichzeitig versucht, sie zu erziehen. […] Sie kann auch wie ein Mann lieben, männlicher als ein Mann, sie kann den Partner in die weibliche Rolle drängen, sie kann ihn demütigen, ihn nehmen, indem sie sich ihm schenkt.41 Katharinas Auseinandersetzung mit der Männlichkeit ihrer Liebhaber kon- zentriert sich auf ein Konzept von Körperlichkeit, das sich mit dem Begriff des herkulisch-maskulinen Körpers beschreiben lässt. Es geht dabei um „schöne, massive Hünen mit breiten Schultern und wohlgeformten Beinen, leidenschaft- lichem Temperament und geringer geistiger Kultur“.42 Kaus kommentiert in die- sem Sinn: [D] iesem Typ dankt Katharina den Ruf einer neuzeitlichen Messalina, […] ein Wesen mit männlichem Gehirn, brünstigem Unterleib und ohne Herz; eine nüchterne Verwal- terin ihres Ruhmes, die nicht allein zu Bett gehen kann und die zur Befriedigung ihrer nichts als sinnlichen Bedürfnisse die geeigneten Partner einzig und allein im Hinblick auf ihre diesbezüglichen Fähigkeiten bewußt erwählt.43 Die Autorin lässt auch durchklingen, wie fadenscheinig diese Männlichkeits- projektion Katharinas ist, denn „die Liebe zur männlichen Kraft ist nichts als der befreiende Ausweg, den ihre durchaus unhysterische Natur aus der Beklem- mung ihrer trüben Erfahrungen gefunden hat.“44 Indirekt wird hier nicht nur die Beziehung zu Kaiserin Elisabeth mitverhandelt, sondern auch die lächerliche Hochzeit mit Peter III. und dessen Komplexe Katharina gegenüber: 40 Vgl. ebd., S.  55. Die anfänglich positive Mutter-Tochter-Beziehung zwischen der jungen Katharina und der deutlich älteren Kaiserin Elisabeth wandelt sich mit der Zeit in eifersüchtige Rivalität; vgl. ebd., S.  135 bzw. 139. 41 Ebd., S.  358 bzw. S.  342. 42 Ebd., S.  202. 43 Ebd. 44 Ebd., S.  203.
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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹ Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Title
Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹
Subtitle
Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938
Author
Primus-Heinz Kucher
Editor
Rebecca Unterberger
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-631-78199-9
Size
14.8 x 21.0 cm
Pages
466
Category
Kunst und Kultur
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