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280 Gesa Lehrmann
lierte Feuerbach seinerseits, dass »ein archäologisches Costümmalen einer vergangenen
Epoche stets den Eindruck des Gemachten tragen [wird], während das rein Menschliche
noch heute das wahre, unerschöpfliche Feld für die Kunst der Neuzeit bleiben wird«,
sowie an anderer Stelle, »dass moderne Militärmalereien sich allenfalls zu Illustrationen
eines belletristischen Journales eignen, aber nie ein echt kĂĽnstlerischer Vorwurf werden
können«, so wird deutlich, wie stark sich die kunsttheoretischen Ansichten Eitelbergers
und Feuerbachs hinsichtlich ihrer Auffassung von Historienmalerei ähnelten.25 Zudem
klingt hier an, dass Feuerbach den Gattungsbegriff ›Historienmalerei‹ strenger definierte
als andere Maler und Akademielehrer seiner ZeitÂ
– so beispielsweise Anton von Werner
oder, wie noch aufzuzeigen sein wird, Carl Theodor von Piloty26. »Durch den schwatz-
seligen Dilettantismus & die grenzenlose Begriffsverwirrung [seiner] Epoche [dazu]
genötigt«, wie Feuerbach in seiner Autobiografie vermerkte, hinterließ er dort folgende
Definition von Historienmalerei :
Die Historienmalerei, gleichviel in welcher Größe sie auftritt, dokumentiert sich stets in der
totalen Erschöpfung einer Darstellung. Sie darf nie episodisch schaffen, sondern ihre Gestal-
tungen bei aller Individualität müssen immer der Typus einer ganzen Gattung sein. […] Die
echte Historie kann nie zu einem archäologischen Zeit- oder Sittengemälde herabsteigen
sond. sie muss in erster Linie das sittlich GroĂźe, Menschliche festhalten, gleichviel in welchem
KostĂĽm sie sich zu bewegen hat.27
Feuerbach kritisierte die Werke seiner Zeitgenossen also, weil in ihnen zunehmend eine
dem Darstellungsgehalt ĂĽbergeordnete Sinnebene fehlte, wie sie der seit Jahrhunderten
tradierten Definition akademischer Historienmalerei eigentlich entsprach. Innerhalb
seiner Kunst lässt sich diese von Feuerbach streng bewahrte Praxis der exempla virtutis
beispielhaft anhand der 1871 vollendeten, zweiten Fassung der Iphigenie (Abb. 5) ver-
anschaulichen : Fast die gesamte Bildfläche ausfüllend, inszeniert Feuerbach Iphigenie
schwermĂĽtig in die Ferne blickend. Wie in dem ihm bekannten Schauspiel Goethes
literarisch angelegt, scheint die auf die Insel Tauris entrĂĽckte Tochter Agamemnons,
getrennt durch das Meer von den Geliebten, das Land der Griechen mit der Seele zu
in : Mittheilungen des k. k. Österr. Museums für Kunst und Industrie, 18, 1883, S. 285–295, hier
S.Â
289.
25 Zit. nach Kupper, Feuerbachs ›Vermächtnis‹ (zit. Anm.Â
1), S.Â
125 u. S.Â
94.
26 Carl Theodor von Piloty (1826–1886) lehrte ab 1856 als Professor an der Münchener Akademie, ab
1874 war er deren Direktor.
27 Zit. nach Kupper, Feuerbachs ›Vermächtnis‹ (zit. Anm.Â
1), S.Â
133–135.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien