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Rudolf von Eitelberger und der Archäologe Otto Benndorf 315
man sich in Wien ĂĽber komplexe Themen etwas mitzuteilen hatte, besuchte man sich ge-
genseitig und besprach die Agenden persönlich. Häufig liest man da – so oder ähnlich :
»Ich werde in den nächsten Tagen suchen Sie früh morgens in Ihrem Bureau anzutreffen,
um mir für einige Dinge Ihren freundlichen Rath zu erbitten.«7 Worum es bei diesen Un-
terredungen im Detail ging, ergibt sich oft aus nachfolgenden Schreiben allerdings nicht.
Erste Kontakte und Reise nach SiebenbĂĽrgen
Wann das erste persönliche Zusammentreffen der beiden stattfand, lässt sich nicht exakt
bestimmen. Einem dem Berufungsakt Benndorfs an die Prager Universität beigeleg-
ten Promemoria Eitelbergers vom 13. März 18728 ist allerdings zu entnehmen, dass er
Benndorf »aus persönlichem Umgange, von meinem Aufenthalte in Rom« – wohl zwi-
schen 1865 und 1868, als Benndorf unter anderem als Stipendiat des Instituto di Cor-
rispon denza Archeologica9 in Rom weilte – kennengelernt und »ihn in der jüngsten Zeit
wieder in München gesehen« hatte, nämlich im Wintersemester 1871/72, als Benndorf
hier eine Honorarprofessur innehatte. Dieses Promemoria mit einer äußerst positiven
Einschätzung der wissenschaftlichen Befähigung Benndorfs war nicht unerheblich für
seine Berufung nach Prag.
Die ersten direkten Briefe datieren aus dem April 1872. Von Wien aus half Eitel-
berger dem jungen, auf den neu begrĂĽndeten Lehrstuhl in Prag berufenen Kollegen, wo
immer und so gut er konnte. Regelmäßig finden sich in Eitelbergers Schreiben Senten-
zen wie : »Was ich dafür thun kann, werde ich gerne thun.«10
So war Eitelberger beispielsweise beim Aufbau einer Bibliothek behilflich, da Benn-
dorf in Prag in seinem Fach »tabula rasa« vorgefunden hatte11, und unterstützte Benn-
dorf bei der Anlage einer vorwiegend aus Gipsabgüssen bestehenden archäologischen
7 Brief Benndorfs aus Wien an Eitelberger, 12.11.1877 (WBR, H.I.N.Â
20.263).
8 Ă–sterreichisches Staatsarchiv, Allgemeines Verwaltungsarchiv/Finanz- und Hofkammerarchiv, Cul-
tus- und Unterrichtsministerium, Personalakt Benndorf (5Â
Prag Phil), 3307Â
exÂ
1872.
9 Zur Geschichte des Instituto di Corrispondenza Archeologica siehe A. Michaelis, Geschichte des
Deutschen Archäologischen Instituts 1829–1879. Festschrift zum einundzwanzigsten April 1879,
Berlin 1879 ; H. Blanck, Vom Instituto di Corrispondenza Archeologica zum Reichsinstitut. Die deut-
sche Archäologie und ihre Italienerfahrung, in : Deutsches Ottocento. Die deutsche Wahrnehmung
Italiens im Risorgimento (hg. von A. Esch/J. Petersen), TĂĽbingen 2000, S.Â
235–255 ; G. Maurer,
PreuĂźen am Tarpejischen Felsen. Chronik eines absehbaren Sturzes. Die Geschichte des Deutschen
Kapitols 1817–1918, Regensburg 2005, bes. S.Â
65–83.
10 Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 23.03.1874 (Ă–NB, HAD : Autogr.Â
640/18-10).
11 Brief Benndorfs aus Prag an Eitelberger, 14.04.1872 (WBR, H.I.N.Â
20.218).
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien