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316 HubertÂ
D. Szemethy
Sammlung, die im Clementinum untergebracht war. Eitelberger sandte Benndorf Rat-
schläge und Verzeichnisse von Gipsabgüssen, die vom k. k. Österreichischen Museum für
Kunst und Industrie in Wien günstig zu beziehen waren : »[D]er Preis der Gipsabgüße
ist selbstverständlich ohne Kiste u[nd] Verpackung.«12 Er wirkte ferner auf den Minister
fĂĽr Cultus und Unterricht Carl Ritter von Stremayr ein, damit dieser Benndorfs Beru-
fungsanträge für Bibliotheksausstattung und Sammlung wohlwollend prüfe. Der Minis-
ter genehmigte diese Anträge auch umgehend und ermöglichte im Folgejahr sogar den
Ankauf einer originalen, aus Athen stammenden Herme, die auf der Wiener Weltaus-
stellung 1873 angeboten worden war (Abb. 2).13 Wie rasch die Prager Sammlung wuchs
und wie viele Objekte aus den Verzeichnissen des Österreichischen Museums ausgewählt
wurden, darĂĽber gibt das bereits 1873 von Otto Benndorf herausgegebene Verzeichnis
hinreichend Auskunft.14
Immer wieder ist in den Korrespondenzen die Rede von erfolgten oder anstehenden
Berufungen von Professoren nach Prag, unter anderem auch vom Wunsch Benndorfs, in
Prag Otto Hirschfeld als Professor für Alte Geschichte und einen Gräzisten an seine
Seite gestellt zu bekommen – ersteres klappte15, letzteres war trotz Eitelbergers Ein-
satz nicht zu erreichen. Alle in die engere Wahl kommenden Kandidaten waren nicht
ausreichend qualifiziert, sodass Benndorf in einem Brief an Eitelberger im November
1872 mit dem Hinweis, »daß für die hiesigen Verhältnisse eine problematische Beru-
fung schlimmer als gar keine sein würde«, feststellen musste : »Es würde in der That
12 Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 14.04.1872 (Ă–NB, HAD : Autogr.Â
640/18-1).
13 Die Herme war danach mehrere Jahre Schmuckstück der Prager Archäologischen Sammlung, ehe sie
1896 durch Tausch in die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums kam. Vgl. Brief Benn-
dorfs aus Prag an Eitelberger, 25.07.1873 (WBR, H.I.N. 20.228) : »Inliegend erlaube ich mir Ihnen
einen Abdruck aus der heutigen Bohemia zu senden, der Sie von einer vortrefflichen Acquisition, mit
der uns der Minister beschenkt hat, unterrichten wird.« Der Beitrag der Bohemia wird fast wortgenau
wiederholt in der Wiener Zeitung, Nr.Â
173, 26.07.1873, S.Â
320 (›Eine antike Sculptur.‹). Zum Objekt
siehe [O. Benndorf], Verzeichnis der Archaeologischen Sammlung im Clementinum zu Prag, Prag
1873, S.Â
20 Nr.Â
201 ; H.Â
D. Szemethy, Wissenschaftliche Korrespondenzen Otto Benndorfs mit Gra-
zer Universitätsangehörigen, in : 150Â
Jahre Archäologie und Geschichte an der Karl-Franzens-Univer-
sität Graz. Gedanken zur steirischen Geschichte und deren Erforschung (hg. von E. Trinkl), Wien
2016, S. 31–43, bes. S. 32 mit Anm. 12 und 13. Zwei identische Abgüsse, durch Vermittlung Eitel-
bergers im Ă–sterreichischen Museum fĂĽr Kunst und Industrie hergestellt, befinden sich heute in der Ab-
gusssammlung des Instituts fĂĽr Archäologie der Universität Graz, Inv.-Nr.Â
DÂ
152.
14 [Benndorf], Verzeichnis (zit. Anm.Â
13).
15 H.Â
D. Szemethy, Otto Benndorf (1838–1907) und Otto Hirschfeld (1843–1922)Â
– Wissenschaft-
liche Korrespondenzen zum Beginn der Alten Geschichte und der Klassischen Archäologie an
der Universität Prag, in : Antike Welten – Althistorische Forschungen in Österreich. Akten des
16. Österreichischen Althistoriker_innen-Tages, 17.–19. November 2016 (hg. von K. Schnegg/B.
Truschnegg/M. Pohl), Innsbruck 2018, S. 45–76.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien