Page - 322 - in Rudolf Eitelberger von Edelberg - Netzwerker der Kunstwelt
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322 Hubert
D. Szemethy
dieses unter dem Namen Rudolfinum bekannten Gebäudes, das die Böhmische Spar-
kasse von dem Architekten Josef Zitek und dessen Schüler Josef Schulz in den Jahren
1876 bis 1884 errichten ließ, arbeitete Benndorf eng mit dem in Prag wirkenden Kunst-
historiker Alfred Woltmann und mit Eitelberger zusammen, der in Wien unmittelbaren
und permanenten Kontakt zum Minister hatte. Gerne hätten Benndorf und Eitelberger
es gesehen, wenn in diesem Gebäude auch Platz für die universitäre archäologische
Sammlung gewesen wäre, doch lehnte dies die Böhmische Sparkasse ab : »Man wünscht
keine weitere Complication des ohnehin sehr getheilten und zusammengesetzten Pro-
jectes und man perhorrescirt jede Einmischung von Seiten des Staates. Ein enger Hori-
zont lässt sich eben auf keinem Procrustesbette erweitern.«30
Benndorf wurde dennoch nicht müde, sich für das Rudolfinum-Projekt einzusetzen.
Und als es nach einer entscheidenden Komiteesitzung am 12. November 1874 in die
Wege geleitet war, brach die ganze aufgestaute Spannung Benndorfs, der wochenlang
täglich und stündlich »mit dem hiesigen Philisterthum nach allen Seiten« zu kämpfen
gehabt hatte, förmlich aus ihm heraus :
Die Verpfuschung dieser Angelegenheit wäre für Prag eine nicht wieder gutzumachende
Sünde gewesen ; daß sie die rechte Form erhält und an den rechten Mann kommt, wird auf
viele Jahre hinaus einen Wendepunkt in unsern ganzen Kunstzuständen hervorbringen. Eben
weil ich von der großen Wichtigkeit durchdrungen war, und wie hier die Dinge liegen, leider
Gottes ganz allein die Verantwortlichkeit empfand (Woltmann ist ja spät angekommen, kennt
noch wenig Leute und fängt erst an locale Interessen zu bekommen, hat mich aber in manchen
Dingen sehr dankenswerth unterstützt) bin ich rücksichtslos nach allen Seiten mit meiner
Ueberzeugung vorgegangen und habe mich nicht gescheut, mich persönlich zeitweis stark zu
exponiren. Es war und ist mir gleich was für Motive man mir unterlegt und wie man mein
Agitiren betitelt. Ich gewinne dann auch Zeiten, wo ich ganz zurücktrete und habe die Ueber-
zeugung, daß uninteressirtes Einstehen für öffentliche Interessen, auch wenn es viele verletzt
auf die Dauer doch nicht ganz verkannt werden kann, wenigstens nicht von den Bessern. Frei-
lich was muss man selbst von diesen sich unter der Hand sagen lassen !31
Ein Monumentalbau zwischen den Fronten. Das ›Künstlerhaus‹ Rudolfinum in der Prager Musik-
welt des 19. Jahrhunderts, in : Espaces et lieux de concert en Europe 1700–1920. Architecture, mu-
sique, société (hg. von H.
E. Bödeker/P. Veit/M. Werner), Berlin 2008, S.
227–255 ; M. Marek,
Kunst und Identitätspolitik. Architektur und Bildkünste im Prozess der tschechischen Nationsbil-
dung, Köln/Weimar/Wien 2004, S.
192, Abb.
110–113.
30 Brief Benndorfs [aus Prag] an Eitelberger, ohne Datum, aber vermutlich nach dem 20. und vor dem
25.12.1873 (WBR, H.I.N.
20.208).
31 Brief Benndorfs aus Prag an Eitelberger, 13.11.1874 (WBR, H.I.N.
20.243).
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien