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324 Hubert
D. Szemethy
gleichgiltig sei was in Prag geschehe«.33 Benndorf berichtete Eitelberger daher regelmä-
ßig und ausführlich über die allgemeine Stimmung in Prag, damit Eitelberger, der selbst
oft mit den Entscheidungen des Ministeriums unzufrieden war,34 bei Gesprächen im
Ministerium die Dinge ins rechte Licht rücken konnte.
Insbesondere über den im Laufe der Jahre immer fanatischeren Nationalitätenkon-
flikt, über disziplinlose Studierende, die Professoren insultierten, über Demonstrationen,
Tumulte und Handgreiflichkeiten zwischen tschechischen und deutschen Studenten,
die Räumung der Universität durch Polizeieinheiten wurde Eitelberger laufend und
eingehend unterrichtet. Agiert Benndorf bei derartigen Begebenheiten mitunter sehr
emotional (»Nach neuerlich heruntergekommenen Rescripten […] wird die Situation
wirklich unbehaglich. Die letzten Vorfälle sind zum Rothwerden.«35), so versucht Eitel-
berger, der in seinen Schreiben stets abgeklärter ist, beruhigend auf ihn einzuwirken :
Seit 1847 bereits Dozent an der Wiener Universität, seit 1845 Assistent habe ich alle Unter-
richtskämpfe durchgemacht. Bin daher ein alter Soldat, der das Kämpfen gewohnt, u[nd] die
wechselvollen Kriegsjahre kennt. Ich laße mich nicht aus dem Gleichgewichte bringen, – ob-
wohl oder weil ich weiß, daß die Zeit bewegter ist im Innern, als es äußerlich den Anschein
hat, ist Ruhe u[nd] Vorsicht nöthiger, denn je. Sie würden sich wundern, wenn Sie meine
Lebenserfahrungen wüßten ! gut, daß ich sie hinter mir habe. Leider verläßt mich jetzt oft die
physische Kraft.36
Dass er sich über Benndorfs Berufung nach Wien nach dem Weggang Alexander Con-
zes überaus freute, ist nach den geschilderten Prager Verhältnissen daher mehr als ver-
ständlich : »Ich hoffe, daß Sie sich sehr bald in Wien heimisch fühlen werden. […]
jedenfalls werde ich Sie sofort aufsuchen, sobald ich erfahre, daß Sie hier sind.«37 Durch
die räumliche Nähe in Wien intensivierte sich das Zusammenwirken der beiden in der
Folge erheblich.
33 Brief Benndorfs aus Prag an Eitelberger, 31.10.1874 (WBR, H.I.N.
20.241).
34 Vgl. Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 30.11.1874 (ÖNB, HAD : Autogr.
640/18-23) : »Ue-
ber d[ie] Universitätsfragen bin ich ganz ununterrichtet, u[nd] halte mich gänzlich fern. Ich bin mit
dem, was im Ministerium geschieht, gar nicht einverstanden.«
35 Brief Benndorfs aus Prag an Eitelberger, 21.07.1875 (WBR, H.I.N.
20.253).
36 Brief Eitelbergers aus Marienbad an Benndorf, 22.06.1875 (ÖNB, HAD : Autogr.
640/18-31).
37 Brief Eitelbergers aus Wien an Benndorf, 05.09.1877 (ÖNB, HAD : Autogr.
640/18-44).
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien