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Kunstpolitik zwischen den Kaiserstädten 347
gebündelten Kräfte der Wiener und Berliner Kreise in langjähriger gemeinsamer Arbeit
zustande kommen. So wurde z. B. die langfristige Finanzierung des Projektes durch die
Sicherstellung von Subventionen sowohl aus dem österreichischen als auch aus dem
preußischen Kultusministerium gewährleistet.15 Darüber hinaus hielt man sich zwi-
schen Donau und Spree ständig über die Fortschritte auf dem Laufenden, so z. B. über
die Verhandlungen um die Mitarbeit des Stuttgarter Verlegers Spemann. Schöne kam
den mehrmaligen Aufforderungen durch Eitelberger, den ersten Redakteur der Zeit-
schrift Franz Schestag und den Kunsthistoriker Alfred Woltmann, die Zeitschrift mit
eigenen Beiträgen zu beliefern, offenbar nie nach. Er versuchte dennoch, von Anfang
an die Mitarbeit der Berliner Gelehrten und Museumsmitarbeiter zu koordinieren, und
machte Vorschläge über die geeignetsten Kandidaten für die unterschiedlichen Berei-
che der Zeitung. Trotz der mehrjährigen Unterbrechung zwischen der Herausgabe des
ersten und zweiten Bandes des Repertorium blieb er dem Unternehmen treu und be-
riet fortan Woltmann und Hubert Janitschek, die inzwischen ab 1879 die Redaktion
ĂĽbernommen hatten, um bĂĽrokratische HĂĽrden zu vermeiden und eine reibungslose
Fortführung der Zeitung zu ermöglichen.16 In seinem Festhalten an dem gemeinsamen
Projekt sah Schöne sich im Laufe der Jahre in Berlin manchem Gegenwind ausgesetzt.
So hatte sich beispielsweise Herman Grimm 1876 in einem vom Ministerialdirektor
Geheimrat Greiff verlangten Gutachten negativ über die Zeitschrift geäußert, in der
Hoffnung, eine ähnliche Publikation in Berlin etablieren zu können.17 Auch die Ent-
stehung des Jahrbuchs der Königlich Preußischen Kunstsammlungen (heute Jahrbuch der
Berliner Museen) wurde maßgeblich durch Schönes überzeugte Unterstützung des Re-
pertorium beeinflusst und sicherte zugleich deren Fortdauern als grenzĂĽberschreitendes
Projekt : Als Grimm 1879 – diesmal in Verbund mit dem Direktor der Nationalgalerie
Max Jordan, dessen Assistent Robert Dohme sowie den Berliner Museumsabteilungs-
15 Pallat, Richard Schöne (zit. Anm. 2), S. 152 sowie das Vorwort in Repertorium für Kunstwissen-
schaft, 1, 1876.
16 Vgl. Gemeinsamer Brief von Rudolf Eitelberger und seinem damaligen Assistenten im Ă–sterrei-
chischen Museum für Kunst und Industrie Franz Schestag (1839–1884) vom 24.11.1874 sowie Wolt-
manns Briefe vom 07.05.1879 und 26.09.1879 an Richard Schöne (Privatbesitz) ; Brief von Schöne
an Eitelberger vom 10.05.1875 (WBR, H.I.N.Â
21.664). Der erste Band der Zeitschrift wurde 1876
veröffentlicht, während der zweite erst 1879 herausgegeben wurde. Zu Alfred Woltmann (1841–
1880) siehe P. Betthausen, Woltmann, Alfred, in : Metzler Kunsthistoriker Lexikon. 210Â
Porträts
deutschsprachiger Autoren aus vier Jahrhunderten (hg. von P. Betthausen/P.Â
H. Feist/C. Fork),
Stuttgart/Weimar 2007, S. 523–525 ; zu Hubert Janitschek (1846–1893) siehe ders., Janitschek,
Hubert, in : ebenda, S. 206–208 ; J. VybĂral, Hubert Janitschek. Zum 100. Todesjahr des Kunsthis-
torikers, in : Kunstchronik, 47, 1994, S.Â
237–244 ; E. Lachnit, Schestag, Franz, in : Österreichisches
Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 10, 1990, S.Â
95.
17 Herman Grimm an Richard Schöne am 23.12.1875 und am 02.01.1876 (Privatbesitz).
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia RĂĽdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien