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354 Monica Scilipoti
Analog zu den Specialschulen der Wiener Akademie wurden auch in Berlin die Meis-
terateliers eingeführt. Auch wenn inhaltlich sowohl in Wien als auch in Berlin das Glei-
che gemeint war – namentlich eben Künstlerateliers, in denen herangehende Künstler
unter der Leitung eines Meisters in mehr oder weniger ausgeprägter Selbstständigkeit
ihre Fertigkeit erproben konnten
– deutet die unterschiedliche Benennung dennoch auf
differierende Interpretationen. In Berlin werden sie in aller Deutlichkeit als das, was sie
eben sind, benannt : Ateliers. Hier kommen sowohl ein schon lange gehegter Wunsch
der Künstler34 und ihr Selbstbewusstsein als auch deren Vorstellung von einer künst-
lerischen Ausbildung zum Ausdruck : das ›Learning by Doing‹ unter Gleichgesinn-
ten. Schöne stand dieser Ansicht nahe und hatte Anfang der 1860er Jahre, als er selbst
eine Karriere als Landschaftsmaler anstrebte, diesen Weg der Ausbildung im Atelier
von Friedrich Preller d. Ä. gegenüber einer Ausbildung in einer Kunstakademie be-
vorzugt. Unter diesem Gesichtspunkt ist es erwähnenswert, dass die Studien, in denen
sich Schöne mit Künstlerbiografien befasste, überwiegend Künstlern gewidmet sind, die
entweder dem akademischen Betrieb den Rücken kehrten oder die künstlerische Arbeit
in der Werkstatt geradezu zelebrierten.35 Sicherlich teilte er Carl Schnaases Meinung
bezüglich der Reorganisation der Berliner Akademie :
Uebrigens versteht sich von selbst, daß der akademische Unterricht auch bei vollkommenster
Einrichtung zur Ausbildung des Künstlers nicht ausreicht […], diese eigenthümliche Wech-
selwirkung des Persönlichen und des Allgemeinen, kann der Schüler nur in der Werkstätte
und unter der Leitung eines ihm geistesverwandten Meister erlernen. Es wird ihm daher die
Möglichkeit des Eintritts in solche Werkstätten verschafft werden müssen, wenn sie sich nicht
von selbst und ohne Mitwirkung des Staates darbietet.36
Der Ansatz von Eitelberger war ein anderer : Für ihn war eine bloße Ausbildung in
einem Meisteratelier, losgelöst von den zu vermittelnden Basiskenntnissen der wissen-
Anton von Werner, Akademiedirektor. Dokumente zur Tätigkeit des ersten Direktors der Königlichen
akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin, 1875–1915, Berlin 1993, S.
73–80.
34 Mai, Die deutschen Kunstakademien (zit. Anm.
21), S.
284 spricht in diesem Zusammenhang von
»längst fällige[r] Einführung von Meisterateliers«.
35 Nicht alle Studien mündeten in Veröffentlichungen. Zu den Künstlern, mit denen sich Schöne aus-
einandersetzte und die unter den o. g. Kategorien eingeordnet werden können, gehören Jacob As-
mus Carsten, Bertel Thorvaldsen, Peter Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld. Vgl. Schönes
Publikationsliste in Pallat, Richard Schöne (zit. Anm. 2), S. 21 sowie S. 398–405 ; Platz-Hors-
ter, Schöne, Richard Curt Theophilus (zit. Anm.
2).
36 GStA PK, I. HA Rep. 76 Kultusministerium, Ve Sekt. 17 Abt. I Nr. 11 Bd. 2, Bl. 135–138, hier
Bl.
138.
Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN
Rudolf Eitelberger von Edelberg
Netzwerker der Kunstwelt
- Title
- Rudolf Eitelberger von Edelberg
- Subtitle
- Netzwerker der Kunstwelt
- Authors
- Julia Rüdiger
- Eva Kernbauer
- Kathrin Pokorny-Nagel
- Raphael Rosenberg
- Patrick Werkner
- Tanja Jenni
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20925-6
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 562
- Category
- Biographien